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Kommentar: Gespenster

Negative Strompreise: Kraftwerksbetreiber zahlen Geld dafür, dass jemand ihnen den Strom abnimmt. Ein Anlass zur Schadenfreude für Freunde der Ökoenergie? Bestimmt nicht. Von Frank-Thomas Wenzel

Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Das Gespenst der negativen Strompreise geht um. Wenn am Wochenende der Wind heftig weht und in den Firmen die Maschinen still stehen, dann entsteht ein Überangebot. Kraftwerksbetreiber zahlen dann Geld dafür, dass jemand ihnen den Strom abnimmt. Jürgen Großmann, RWE-Chef, prognostiziert, dass es künftig häufiger Tage mit negativen Strompreisen geben wird - weitere Windkraftanlagen gehen ans Netz.

Betreiber von Kohlekraftwerken zahlen negative Preise, weil es immer noch billiger ist, den Strom auf diesem Weg loszuwerden, als das Kraftwerk abzuschalten. Das Problem wird sich verschärfen, wenn Schwarz-Gelb Ernst macht und die Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängert. Die Gekniffenen sind dann auch Stadtwerke, die bei Kohlekraftprojekten mitmachen.

Ein Anlass zur Schadenfreude für Freunde der Ökoenergie? Bestimmt nicht. Wenn Schwarz-Gelb Ernst macht, dann wird es nichts mit mehr Wettbewerb in der Branche - die Laufzeitverlängerung nutzt allein den vier AKW-Betreibern, und Eon, RWE, Vattenfall und EnBW sind zugleich die Dominatoren in der Branche. Dann wird es auch nichts mit dem Ausbau der Erneuerbaren. Denn Eon und Co. werden negative Strompreise auf Dauer nicht akzeptieren und Windenergie bekämpfen.

Moderne Energiepolitik kann nur bedeuten, am Atomausstieg festzuhalten. Gleichzeitig muss eine Infrastruktur mit Blockheizkraftwerken und Gaskraftwerken aufgebaut werden. Beide Typen können schnell zu- und abgeschaltet werden - je nachdem wie gerade der Wind weht.

Autor:  Frank-Thomas Wenzel
Datum:  2 | 11 | 2009
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