Es ist die von der Beschäftigtenzahl her größte Branche, mit weiterem Wachstumspotenzial. Es ist eine für den humanen Umgang miteinander wichtige Branche. Und es ist ein Zweig mit Menschen, die viel leisten, aber nur wenig dafür bekommen. Genug gerätselt, es handelt sich um die Pflegeberufe. Ob im Altenheim (das ab einer bestimmten Preisklasse Senioren-Stift heißt) oder in der ambulanten Pflege per Stoppuhr (Hilfe beim Gang ins Bad: zwei Minuten 16 Sekunden): Pflegekräfte, die ihren Beruf ernst nehmen, sind unterbezahlt und überfordert.
Jetzt haben sich die Tarifparteien nach monatelangem Gerangel zwischen Hilfswerken, Gewerkschaftern und Staatsbeamten geeinigt. Es wird den lang geforderten Mindestlohn geben - nicht üppig, aber besser als nichts. Manche Organisation befürchtet zwar, dass ihr eigenes Vergütungsschema dadurch nach unten eben in Richtung Mindestlohn rutscht, aber mit diesem Risiko muss man leben.
Wer die Zustände in den Heimen kennt, weiß wie unwürdig viele pflegebedürftige alte Menschen hausen müssen. Nun kann man humanen Umgang nicht per Gesetz oder Tarif verordnen. Allenfalls ein gewisser Anreiz durch adäquate Vergütungen ist realistisch. Eigentlich müssten mehr Kräfte eingestellt, ausreichend geschult und mit genügend Zeit ausgestattet werden.
Doch das kostet alles Geld und das hat die defizitäre Pflegekasse nicht. Beiträge senken und zugleich höhere Anstrengungen von den Pflegern zu verlangen, passt nicht zusammen. Was hilft, wäre ein Dauerzuschuss vom Bund für die gesellschaftliche Aufgabe humaner Pflege.
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