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Kommentar: Intelligenter

Lieber Stromkunde, wissen Sie eigentlich, dass Sie im Keller ein echtes Museumsstück an der Wand hängen haben? Den Ferraris-Stromzähler. Der gehört ins Museum. Doch wo bleibt die große Kampagne für die intelligenteren Stromzähler? Von Frank-Thomas Wenzel

Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Lieber Stromkunde, wissen Sie eigentlich, dass Sie im Keller ein echtes Museumsstück an der Wand hängen haben? Den Stromzähler. Er war Ende des 19. Jahrhunderts, als die ersten Modelle auf den Markt kamen, ein kleines elektromechanisches Wunderwerk. Der Ferraris-Zähler gehört in jedes Technikmuseum. Aber schon lange nicht mehr in die Keller unserer Wohnhäuser.

Da gehören intelligente Stromzähler hin. Die Technik ist längst ausgereift, um den Zähler mit Elektrogeräten zu koppeln. Es geht um so banale Dinge, wie die Kühltruhe, die nachts automatisch eingeschaltet wird, wenn viel Strom zur Verfügung steht, aber wenig verbraucht wird.

Noch viel wichtiger sind Smart Meter für das Strom-Management im großen Stil: Sie sind eine Schlüsselkomponente für den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien. Netzbetreiber müssen sich dabei Strom aus Quellen besorgen, die nicht kontinuierlich liefern, weil nicht ständig die Sonne scheint. Das funktioniert aber nur, wenn die Betreiber in Echtzeit wissen, wie sich der Strombedarf entwickelt. Das ist Kybernetik und geht nicht mit einem elektromechanischen Gerät.

Wo bleibt also die große Kampagne für intelligente Stromzähler? Wird die Sache den Energiekonzernen überlassen, werden wir noch in 100 Jahren den Ferraris-Zähler im Keller haben. Die Konzerne haben kein Interesse am Stromsparen und an dezentraler Stromerzeugung. Die Politik muss das durchsetzen. Doch Stadtwerke beklagen, dass noch nicht einmal technische Standards für die Smart Meter definiert sind. Das muss der erste Schritt sein. Zudem muss die Bundesregierung vorschreiben, dass nur noch intelligente Haushaltsgeräte verkauft werden, die mittels der Smart Meter gesteuert werden können.

Und drittens müssen die Energieversorger gezwungen werden, neue Tarifsysteme zu entwickeln, die den Schwankungen beim Strombedarf entsprechen und Elektrizität zu verbrauchsarmen Zeiten massiv verbilligen. Ausreden gibt es für Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) keine. Unterlassung wäre ein schweres Vergehen, auch gegen die Ziele des Klimaschutzes.

Autor:  Frank-Thomas Wenzel
Datum:  31 | 12 | 2009
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