Nach den heftigen Kursverlusten am Aktienmarkt lautet die natürliche Zockerfrage: Jetzt einsteigen? Aktien sind doch weltweit billig. Das stimmt, wenn man die üblichen Bewertungsmaßstäbe anlegt. Das stimmt indes nur noch bedingt, wenn man für 2009 mit einer globalen Rezession rechnet, was angesichts der Bankenkrise mehr als wahrscheinlich ist. Doch grundsätzlich gilt: Solange Panik vorherrscht und das gesamte kapitalistische System dahinzuschmelzen scheint, sind Aktien eine schlechte Wette.
Erst wenn auch in Euroland der Staat die Not des Marktes voll und ganz versteht, das Bankensystem rettet sowie gleichzeitig die Europäische Zentralbank mit einer Notzinssenkung Trost spendet, erst dann dürfte das Schlimmste überstanden sein.
Doch das heißt nicht, dass danach die Party wieder losgeht. Denn die Welt von morgen wird eine andere sein. Das ist der Preis dafür, dass Banken und Aktionäre nach dem Staat rufen, der es richten muss. Ziemlich sicher werden die Kosten der Regulierung immens sein, werden die Gewinne nie wieder so kräftig sprudeln. Weil die ganze Unternehmenspolitik konservativer werden wird, erzwungenermaßen. Die Verschuldung wird Grenzen unterliegen, aber auch die Löhne werden in dem neuen, sozialeren System wieder stärker steigen, weil die Macht der Aktionäre in die Schranken gewiesen wird.
Drei Jahrzehnte Bonanza am Aktienmarkt sind nun endgültig beendet. Auf Wiedersehen Eigenkapitalrenditen von 15 Prozent und mehr. Guten Tag Bescheidenheit.
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