Die Brandbeschleuniger sind wieder am Werk. Nachdem die Ratingagentur Fitch am Freitagabend die Kreditwürdigkeit Spaniens herabgestuft hat, besteht die Sorge, dass nun - analog zu Griechenland - der Sturm an die Märkte zurückkehrt. Setzt der Herdentrieb erst einmal ein, ist für rationale Argumente kein Platz mehr.
Deshalb lohnt es sich, vorher genauer hinzuschauen. Denn Spanien ist weit davon entfernt, sich zu einem zweiten Griechenland zu entwickeln. Das belegt ein Blick auf die Staatsverschuldung: Die Iberer liegen mit vorbildlichen 53,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) unterhalb der durch den Maastricht-Vertrag erlaubten Grenze von 60 Prozent. Zum Vergleich: Deutschland schultert mit 71 Prozent des BIP eine weitaus größere Last.
Das schlägt sich, auch nach der Herabstufung, in der Bonitätsnote der Spanier nieder - "AA+" ist immerhin die zweitbeste der möglichen Bewertungen. Hinzu kommt, dass das Ratinghaus Standard & Poor´s seine Bewertung schon vor einigen Wochen gesenkt hatte, so dass der Schritt für Experten nicht überraschend kam.
Allerdings ist Spanien bereits angeknackst. Erst eine Woche ist es her, dass der Staat der Sparkasse Cajasur, der wie vielen heimischen Finanzinstituten die Immobilienkrise im Lande zu schaffen macht, unter seine Fittiche nehmen musste. Deshalb widmen die Märkte den Iberern derzeit ihre besondere Aufmerksamkeit - ein optimaler Nährboden für Panik.
Bricht diese nun - so irrational das auch sein mag - erneut aus, muss man die Schuld dafür vor allem bei zwei Parteien suchen: Der Ratingagentur Fitch und der Politik. Die Ratingagentur hat es wie schon so häufig in den brenzligen Situationen der vergangenen Immobilien-Banken-Schulden-Euro-Krise an ein wenig Fingerspitzengefühl fehlen lassen.
Und die europäischen Regierungen, die mit ihrem 750 Milliarden Euro teuren Schutzschirm eigentlich für Ruhe sorgen wollten, haben bislang das Nötige unterlassen. Nämlich die Regelwerke zu ändern, die den Bonitätsnoten einen so hohen Stellenwert einräumen und den Ratingagenturen ihre Macht verleihen.
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