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Kommentar: Restrisiko

Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
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Sie rudert zurück, die deutsche Agrarministerin Ilse Aigner. Es gibt Anzeichen, dass ihr vor wenigen Wochen angedeutetes Verbot des Gen-Mais Mon 810 wohl nicht kommt, schon gar nicht rechtzeitig vor der Aussaat der gelben Körner in etwa zwei Wochen.

Statt den Gen-Mais aus dem Verkehr zu ziehen, plädierte die CSU-Politikerin zuletzt eher für einen regionalen Verzicht, etwa in einem Bundesland wie Bayern. Zuhause im Freistaat, wo die Populisten Seehofer und Söder in vollmundigen Reden schon immer was gegen Gen-Mais hatten, kennt man das: Wettern gegen die Agrarmultis, aber zurückstecken, wenn es gilt, standhaft zu bleiben. Aigners Amtsvorgänger Horst Seehofer hatte Mon 810 schon einmal kurzzeitig verboten. Aber erstens kam das Verbot kurz nach der Saat, und zweitens knickte der CSUler vor dem Konzern ein, als es hart auf hart kam.

Dabei bietet die EU das rechtliche Instrumentarium zum Verbot, fünf andere EU-Länder wenden es auch an, und zudem gilt die rechtliche Wirksamkeit der längst abgelaufenen, nur per Neuantrag aufrechterhaltenen Erstzulassung des "Events" als fraglich. Es gibt noch andere Schrauben: Richterlich festgestellt ist, das Mon 810 eine nur sehr eingeschränkte lebensmittelrechtliche Zulassung hat. Die Folge: Findet sich Pollen im Honig, darf das Produkt nicht als Lebensmittel verkauft werden, der Imker wird Opfer. Also: Warum nicht dieser Maislinie wegen der gerichtlich bestätigten Existenz-Gefährdung der Honigerzeuger die Sortenzulassung entziehen? Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die gegen Mon 810 sprechen, sind ohnehin erdrückend. Mindestens das Restrisiko ist so hoch, dass die Vernunft ein Verbot gebietet.

Daneben ist es auch völlig unnötig, diesen Gen-Mais anzubauen. Wenn der Schädling überhaupt ein (in aller Regel in den Griff zu bekommendes) Problem darstellen sollte, dann ist es hausgemacht. Denn wer die so hoch gehaltene gute fachliche Praxis außer Acht lässt und etwa im Zuge eines Bioenergie-Erzeugerwahns in großem Stil Mais auf Mais auf Mais ... anbaut, der braucht sich nicht zu wundern, wenn sich die Schädlinge wohlfühlen. Das ist Landwirtschaft gegen die Natur und gegen die Verbraucher.

Autor:  STEPHAN BÖRNECKE
Datum:  3 | 4 | 2009
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