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Kommentar: Stammtisch

Hartz-IV - die "soziale Hängematte"? Nur für die wenigsten. Die meisten Arbeitslosen suchen aktiver nach neuen Aufgaben und sind zu größeren Zugeständnissen bereit. Doch die Wirklichkeit der Reintegration raubt ihnen die Chancen.

 Roland Bunzenthal
Roland Bunzenthal

Hartz-IV-Empfänger sind arbeitsscheu, anmaßend und ausbildungsunwillig. So lautet das gängige Urteil des Stammtischs. Immerhin jeder fünfte Bundesbürger im erwerbsfähigen Alter war seit dem Reformstart 2005 schon einmal auf die „soziale Hängematte“ des VW-Selbstbedienungsmanagers Hartz angewiesen. Diese Lebenssituation führt aber häufig zu Minderwertigkeitsgefühlen („ich bin schuld“) oder zur Resignation („bringt ja doch nichts“).

Dabei zeigen die jüngsten Studien der Nürnberger IAB-Forscher, dass Hartz-IV-Arbeitslose im Schnitt aktiver nach neuen Aufgaben suchen und dabei zu größeren Zugeständnissen − etwa beim Lohn − bereit sind, als andere Job-Suchtrupps. Doch was nützt das 150. Bewerbungsschreiben, wenn der adressierte Personalchef einen jungen, gesunden, gut ausgebildeten (männlichen) Bewerber mit langer Berufspraxis sucht und dabei zugleich über den Fachkräftemangel jammert? Die „eierlegende Wollmilchsau“ ist offenbar immer noch die Messlatte bei Einstellungen.

Wie sieht die Wirklichkeit der Reintegration aus? Das Verhältnis von offenen Stellen zu Arbeitssuchenden sagt schon fast alles. Es liegt gegenwärtig bei etwa vier Bewerbern auf einen freien Arbeitsplatz. Weiterhin gilt es den Gesundheitszustand sowie die innerfamiliären Aufgaben zu berücksichtigen, die manche(n) daran hindern, aktiver auf Stellensuche zu gehen. So ist ein Drittel der Frauen bei Hartz IV mit der Versorgung kleiner Kinder alleingelassen und ausgelastet.

Die vorgeschlagene Strategie der Forscher ist nicht gerade revolutionär, könnte aber hilfreich sein. Psychologen und Vermittler mit sozialpädagogischer Sensibilität sollen jene Leistungsbezieher, die einer Unterstützung bedürfen, in den Arbeitsagenturen fit für den Arbeitsmarkt machen. Vor allem die Kommunen als ehemalige Sozialhilfeträger hatten einst vorgeführt, wie man auch hoffnungslose Menschen mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl wieder ins Spiel bringen kann.

Die Milliarden für die verschiedenen Lohnsubventionsprogramme könnten jedenfalls dort ohne Zweifel sinnvoller eingesetzt werden.

Autor:  Roland Bunzenthal
Datum:  26 | 8 | 2010
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