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Kommentar Strommarkt: Großkraftwerke sind morgen von gestern

Die Stromkonzerne bekommen Angst vor alternativen Quellen. Mit Recht: Bald könnten ihre Atommeiler überflüssig werden. Die Politik darf dem Drängen von Eon nicht nachgeben. Von Frank Thomas Wenzel

Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Es ist schon fast wieder sympathisch, wie offen - man könnte auch sagen unverhohlen - Eon vorgeht beim Verteidigen des eigenen Geschäftsmodells.

Dabei ist die Analyse der Konzernstrategen über den britischen Energiemarkt zutreffend: Atomkraft und erneuerbare Energien vertragen sich nicht - ein Argument, das bislang übrigens Kernkraftgegner angeführt haben.

Ganz klar: Wer auf Strom aus Wind und Sonne setzt, braucht keine AKW, die permanent laufen, sondern effiziente Gaskraftwerke, die schnell hochgefahren werden können, wenn kein Lüftchen weht, wenn Wolken den Himmel verdüstern.

Eon fordert jetzt zusammen mit der französischen EdF von der britischen Regierung den Anteil der regenerativen Energie zu deckeln. Das zeigt, wie Energieriesen ticken; Britannien ist überall.

Deshalb dürfen auch die hiesigen Wind- und Solarstromer den Vorstoß von Eon und EdF getrost als dickes Lob verstehen. Es zeigt, dass die einst als Öko-Spinner verspotteten Erzeuger regenerativer Energie von den ganz Großen inzwischen als Bedrohung wahrgenommen werden.

Denn die Erneuerbaren erleben einen enormen Boom. Soeben verkündet Siemens den Einstieg bei einem italienischen Spezialisten für Solarthermie. Und die Bosch-Tochter Ersol startet den Bau einer Fabrik für Solarzellen und Solarmodule - und Kanzlerin Angela Merkel nennt das Projekt einen "echten Lichtblick".

Wenn das so weitergeht, vor allem wenn der Fortschritt der Fertigungstechniken so weitergeht, werden wir in fünf, sechs Jahren auf unseren Hausdächern Strom zum Steckdosenpreis produzieren können.

Genau davor haben Eon und Co. furchtbar Angst. Denn dann brauchen wir die Atomkraftwerke nicht mehr. Die Versorgung mit Strom durch große zentrale Kraftwerke wird abgelöst von einer dezentralen Struktur: Viele kleine Erzeuger schließen sich zu Netzen zusammen.

Die Vision einer sauberen und billigen Stromerzeugung ist zum Greifen nah. Wichtigste Bedingung dafür ist, dass Frau Merkel die Lernkurve vom Lichtblick zur Erleuchtung macht und sich gegen die Versuche der Energieriesen stemmt, die das überkommene Großkraftwerk-Denken zementieren wollen.

Autor:  FRANK-THOMAS WENZEL
Datum:  25 | 3 | 2009
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