Als Amazon im November 2007 das Lesegerät Kindle auf den Markt brachte, sahen nicht wenige Experten den Durchbruch für das elektronische Buch nahen – vorausgesetzt, die Hardware würde noch deutlich billiger. Nun ist es soweit: Amazon bietet die neueste Kindle-Version für 139 Dollar an. Das kann man durchaus als massenkompatiblen Preis betrachten. Für einen globalen Siegeszug der E-Books wird es trotzdem nicht reichen. Dazu fehlt es nach wie vor an Inhalten, auch wenn das E-Book-Angebot größer ist als je zuvor.
„Es gibt in der ganzen Welt eine große Nachfrage nach englischen Büchern“, hat Amazon-Chef Jeff Bezos zwar vor einem Jahr vollmundig behauptet. Seit damals verhandelt er allerdings auch erfolglos mit den großen deutschen Verlagen, die sich der Billig-Politik von Amazon nicht beugen wollen oder die Digitalisierung ihrer Bücher aus Angst vor Raubkopien gleich ganz verweigern.
Während Amazon für E-Books in den USA in der Regel weniger verlangt als für die gebundene Ausgabe und mittlerweile auch mehr davon verkauft, bestehen die deutschen Verleger darauf, die Buchpreise selbst festzulegen. Rabatte für E-Books fallen dabei aus Angst vor Verlusten im Kerngeschäft gering aus – wenn es überhaupt welche gibt. Bezos passt das natürlich nicht ins Konzept. Eine Einigung ist nicht in Sicht.
Die deutschen Verbraucher haben vom Kampfpreis-Kindle also erst einmal wenig. Aus ihrer Sicht liegt der Schwarze Peter aber bei den hiesigen Verlagen. Die wiederum haben keinen Grund, ihre Politik zu ändern, nur weil Amazon das gerne hätte: Ihre Umsätze sind im vergangenen Jahr um 3,8 Prozent gestiegen. Wo kein Durchbruch nötig ist, wird er eben vertagt.
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