Ärgerlich, dass die Einführung umweltgeprüften Biosprits in Deutschland so holprig vonstattengeht. Behörden und Betriebe haben es trotz einer verlängerten Frist nicht geschafft, einen reibungslosen Start hinzulegen. In der kleinteiligen Agrarbranche ist die Einführung eines komplexen Zertifizierungssystems schwieriger als gedacht.
Ein Wundermittel sind die Zertifikate ohnehin nicht. Das Grundproblem bleibt: Agrarflächen sind weltweit begrenzt. Werden Pflanzen verstärkt zur Energiegewinnung genutzt, stehen weniger Nahrungsmittel zur Verfügung, tendenziell hat das auch Auswirkungen auf die Preise. Dazu kommt der steigende Anreiz, Natur zu zerstören, um neue Äcker zu gewinnen. Letztlich führt kein Weg daran vorbei, die Nutzung der Biomasse weltweit klar zu begrenzen.
Die Proportionen in der Debatte über „Teller oder Tank“ sind einigen Kritikern jedoch verloren gegangen. In Indonesien zum Beispiel werden die Urwälder hauptsächlich aufgrund der steigenden Nahrungsfett-Nachfrage in Asien gerodet, nicht für europäische Dieselmotoren.
Dennoch hat die teils überzogene Schelte für Biosprit Gutes bewirkt. Denn es ist diese scharfe Kritik, die zur Folge hat, dass in Europa die Öko-Zertifizierung zur Pflicht erhoben wurde. Das wiederum könnte zu einer weltweiten Sogwirkung führen. Der Importbedarf der Europäer an nachweislich umweltfreundlicher Biomasse wird mit jedem Land, das den EU-Beschluss umsetzt, steigen.
Und damit wächst auch der Anreiz für große Biomasselieferanten außerhalb Europas, sich zertifizieren zu lassen. Diese wiederum werden unvermeidlich Druck auf ihre Regierungen ausüben, für die gesamte Landwirtschaft Nachhaltigkeitsregeln nach europäischem Vorbild einzuführen, damit kleine (und schmutzigere) Konkurrenten keinen Wettbewerbsvorteil haben.
Zugegeben, ein derartiges Szenario mag auf den ersten Blick überzogen optimistisch anmuten. Ein Anstoß für weitere Reformen ist der europäische Biosprit-Vorstoß aber in jedem Fall. Deutschlands Startschwierigkeiten sollten darüber nicht hinwegtäuschen.
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.