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Kommentar: Aldi sitzt in der Preisfalle

Der Billig-Discounter Aldi zählt längst auch die Besserverdiener zu seinen Kunden. Doch neue Marktanteile kann er nicht mehr erobern.

Sein Schmuddel-Image hat Aldi schon lange abgelegt: Selbst bei vielen Gutverdienern gilt es als clever oder sogar als cool, bei dem Discounter einzukaufen. Dem trägt Aldi Rechnung und hat Luxusprodukte wie Champagner, Edelweine oder italienische Antipasti ins Sortiment aufgenommen.

Dennoch scheinen bei Aldi die Grenzen des Wachstums erreicht. Nach zwei Jahren mit rückläufigen Umsätzen entwickelten sich die beiden Ketten Aldi Nord und Aldi Süd laut Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) am schlechtesten unter den Discountern in Deutschland. Und die Discounter insgesamt entwickeln sich mittlerweile auch schlechter als die Konkurrenz der normalen Supermärkte: Ihr Marktanteil ist im vergangenen Jahr leicht gesunken.

Das ist nicht wirklich verwunderlich, denn die Discounter haben ein massives Problem: Es fällt ihnen zunehmend schwer, den Kunden etwas zu bieten, was sie bei Vollsortimentern wie Kaiser’s Rewe oder Edeka nicht bekommen. Denn die haben alle inzwischen auch eine oder sogar mehrere Produktlinien mit besonders günstigen Preisen im Angebot. Hier können die Vollsortimenter mit den Discountern durchaus mithalten, in einigen Fällen unterbieten sie diese beim Preis sogar noch. Und dafür rühren sie auch aggressiv die Werbetrommel: Befindet sich ein Discounter in unmittelbarer Nähe einer seiner Filialen, versucht etwa Rewe mit Slogans wie „400 Produkte dauerhaft mindestens so billig wie beim Discounter“ Kunden mittels großformatiger Plakate kurz vor dem Ziel noch in den eigenen Laden zu locken.

Darüber hinaus haben Rewe und Co. aber eben auch zahlreiche Produkte, die es bei den Discountern nicht gibt. Zudem sind ihre Filialen freundlicher gestaltet, die Ware ist übersichtlich in Regalen einsortiert. Beim Discounter muss man die Artikel bis heute meist noch aus den Kartons nehmen. Besonders spartanisch ist das Einkaufserlebnis bei Aldi: Das Sortiment ist deutlich kleiner als bei Konkurrenten wie Lidl. Zudem ist bei Aldi häufig nur eine Kasse besetzt, was oft lange Wartezeiten für die Kunden zur Folge hat. Das dürfte erklären, warum es für Aldi aktuell noch schlechter läuft als für die anderen Lebensmittel-Billiganbieter. Ein bisschen scheint es so als laufe Aldi mit seiner Strategie Gefahr, der Schlecker unter den Discountern zu werden.

Insgesamt dürfte sich der jüngste Trend weg vom Discounter und zurück zum Vollsortimenter in Zukunft weiter verschärfen. Denn zuletzt haben die Discounter die Preise deutlich stärker erhöht als die Konkurrenz: Laut GfK sind die Discounterpreise im vergangenen Jahr im Schnitt um 4,5 Prozent gestiegen, die normalen Supermärkte haben die Preise dagegen lediglich um 2,1 Prozent angehoben. Der Grund: Die Gewinnmargen der Discounter sind extrem knapp kalkuliert. Deshalb waren sie wohl gezwungen, die teils massiv gestiegenen Rohstoffpreise in hohem Umfang an ihre Kunden weiterzugeben.

Die traditionellen Supermärkte hingegen haben dank ihrer Angebotsmischung aus teurer Markenware und günstigen Produkten insgesamt noch etwas höhere Gewinnmargen als die Discounter. Deshalb sparen sie sich drastische Preiserhöhungen. Die Kunden danken es ihnen.

Autor:  Sebastian Wolff
Datum:  13 | 2 | 2012
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