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Kommentar zu GM: Opels Totengräber

Wer bei GM glaubt, nicht auf einen Investor wie Magna angewiesen zu sein, hat entweder keine Ahnung oder betreibt ein sehr böses Spiel. Von Christine Skowronowski

Christine Skowronowski ist Wirtschaftsredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Christine Skowronowski ist Wirtschaftsredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Es ist kaum zu fassen und ungeheuerlich. Der Opel-Großaktionär General Motors (GM) hat dem österreichisch-kanadischen Zulieferer Magna und der russischen Sberbank einen Korb gegeben und will Opel behalten. Unverantwortlich.

Wer bei GM glaubt, nicht auf einen Investor wie Magna angewiesen zu sein, hat entweder keine Ahnung oder betreibt ein sehr böses Spiel. GM kann Opel finanziell nicht alleine stemmen. (Das zeigt schon die Tatsache, dass sich das US-Unternehmen gerade wieder aus dem GM-Hilfstopf der US-Regierung von insgesamt 50 Milliarden Dollar mit 2,8 Milliarden Dollar bedient hat.)

Bei Opel geht es nicht nur um Sanierung, sondern um Zukunftsinvestitionen von schätzungsweise sechs bis sieben Milliarden Euro, um wichtige Projekte etwa bei der Entwicklung von leistungsstarken Elektroantrieben rasch anschieben zu können. Die Bundesregierung wird GM die für die Sanierung von Opel zugesagte Staatshilfe von 4,5 Milliarden Euro nicht gewähren beziehungsweise bereits auf den Weg gebrachte Unterstützung von 1,5 Milliarden Euro zurückverlangen, wenn GM an Opel festhält (denn Hilfe ist ausschließlich für Opel gedacht).

GM ist aber blank und auf die Kompetenz des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim angewiesen. Nun sind offenbar einige Herren am GM-Sitz in Detroit auf die Idee gekommen, Opel auf Rüsselsheim zusammenzustutzen und eine Menge Geld zu sparen, in dem die anderen europäischen Standorte geschlossen werden. Ein Flächenbrand mit gewaltigen diplomatischen Verwicklungen könnte die Folge sein, denn der Fall Opel ist längst zum Politikum geworden und leider auch zum Tauschpfand zwischen Regierungen.

Letztlich würde sich GM mit einem schrittweisen Tod von Opel auf Jahre hinaus auch das eigene Grab schaufeln. Ein Konkurrent weniger, werden hartgesottene Marktliberale einwenden, na und? Gewaltige Kosten für die Steuerzahler in den jeweiligen Ländern wären die Folge eines damit verbundenen gigantischen Verlustes von Arbeitsplätzen. Von den sozialen und ökonomischen Auswirkungen ganz zu schweigen. Die Politik ist gefordert, Kanzlerin Angela Merkel muss intervenieren, statt sich in den USA als Enkelin von Konrad Adenauer feiern zu lassen.

Autor:  Christine Skowronowski
Datum:  3 | 11 | 2009
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