Zwischen Japan und Deutschland gibt es viele Parallelen, auch in der Rezession. Die Krise hat beide Länder, die stark vom Export abhängen, besonders hart getroffen. Von den großen Industriestaaten hat Japan beim Bruttoinlandsprodukt den heftigsten Rückschlag erlitten, gefolgt von Deutschland. In beiden Ländern ist die Wirtschaft im zweiten Quartal wieder gewachsen. Die Probleme sind aber längst nicht ausgestanden. Japan und Deutschland kranken daran, dass der private Konsum hartnäckig zu schwach ist, um das Wachstum anzukurbeln.
Die neue Regierung in Tokio verspricht die Wende. Für Ministerpräsident Yukio Hatoyama ist das soziale Netz in seinem Land gerissen und die Ungleichheit der Verteilung des Wohlstands größer geworden. Er will weg von der japanischen Version der deutschen Agenda 2010, den "Strukturreformen" der Ära des Premiers Junichiro Koizumo. Zum neuen Programm gehören Sozialleistungen wie ein Kindergeld, höhere Mindestlöhne oder ein Verbot der Zeitarbeit in Fabriken.
Das alles erschreckt neoliberale Geister, vor allem im Ausland. Und wenn sie in einem Essay von Hatoyama auch noch Kritik am "Marktfundamentalismus" oder von "Auswüchsen des globalisierten Kapitalismus" lesen, ist schnell die Rede von sozialistischen Spinnereien. Hatoyamas Regierung wird es zweifellos sehr schwer haben. Doch der Versuch, den Konsum zu stärken und Japan so weniger abhängig von Exporten zu machen, verdient Lob. Tokio will endlich das Geschäftsmodell des Landes korrigieren. Berlin kann hier von Japan lernen.
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.