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Kommentar zu Mehdorn: Schweigegeld

Die voreilige Millionenabfindung für Mehdorn gleicht einem politischem Schweigegeld dafür, dass der geschasste Manager im Wahlkampf still hält. Von Thomas Wüpper

Thomas Wüpper aus Berlin.
Thomas Wüpper aus Berlin.
Foto: FR

Der neue Bahnchef bekommt viel zu tun. Rüdiger Grube muss den Staatskonzern durch eine Wirtschaftskrise steuern, die den zweitgrößten Transportriesen der Welt schwer trifft. Noch schwieriger ist es, das Vertrauen und die Loyalität der 240.000 Beschäftigten nach dem Schnüffelskandal wiederzugewinnen.

Es ist bisher nicht im Detail bewiesen, was die Bahnspitze und allen voran Hartmut Mehdorn von den womöglich sogar kriminellen Spitzelaktionen wussten. Bis die Vorwürfe aufgeklärt sind, verbieten sich Vorverurteilungen. Doch ebenso verbietet sich auch jede Form der vorzeitigen Reinwaschung der Bahnspitze.

Deshalb ist nicht nur die Datenaffäre ein Skandal, sondern auch der Umgang der Koalition damit. Viel zu lange duldete die Kanzlerin die Kapriolen der Skandalnudel Mehdorn, dann aber wollte sie den unkalkulierbaren Risikofaktor vor der Wahl schnell loswerden. Den Preis dafür zahlt letztlich der Bürger: Der Staatskonzern will dem gestürzten Manager den Abschied mit fast fünf Millionen Euro Abfindung erleichtern.

Das ist mehr als fragwürdig. Denn erst, wenn die Ermittlungsberichte vorliegen, ist klar, wie viel Mitschuld die Bahnspitze an dem Schnüffelskandal trifft. Vielleicht hat die Bahn dann ihrerseits Anspruch auf Schadenersatz. Eine voreilige Millionendreingabe für Mehdorn gleicht daher politischem Schweigegeld der Regierung - dafür, dass der geschasste Manager still hält und im Minenfeld Bahn im Wahlkampf keine weiteren Sprengsätze detonieren.

Autor:  THOMAS WÜPPER
Datum:  27 | 4 | 2009
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