Für die erfolgreiche Sanierung eines Unternehmens bedarf es vor allem erfahrener und geschickter Manager. Noch mehr Fingerspitzengefühl ist bei einem Fall wie dem Autobauer Opel gefragt. Doch genau daran fehlt es dem aktuellen Spitzenmann. Nick Reilly hat es innerhalb von nur wenigen Wochen geschafft, all jene vor den Kopf zu stoßen, die für das Gelingen seiner Aufgabe wichtig wären. Beschäftigte, Politiker, Händler und vor allem auch Kunden, bestehende und vor allem auch potenzielle.
In geradezu fahrlässiger Weise hat das Opel-Management Vertrauen verspielt. Den Beschäftigten wurde noch im Dezember das Zuckerbrot hingehalten, um sie zu finanziellen Opfern zu bewegen. Reilly tat so, als ob er auf die Beschäftigten eingehen und ihnen mehr Mitsprache bis hin zur Mitarbeiterbeteilgung einräumen wollte. Heute wird nur noch die Peitsche gezückt. Die abrupte Schließung des Werkes in Antwerpen scheint nur der Anfang von weiteren Grausamkeiten zu sein, wie sich zunehmend abzeichnet. Nun könnten deutlich mehr Stellen wegfallen, als bislang angekündigt. Opel bestreitet dies zwar offiziell.
Aber die Äußerungen von Firmenchef Reilly haben ohnehin eine immer kürzere Halbwertzeit. Seit Wochen kündigt er einen Geschäftsplan an, allein das Datum wird ständig verändert. Und damit vergällt er auch Politiker, die Opel helfen würden, um Arbeitsplätze zu sichern. Denn auf finanzielle Unterstützung sind Reilly und GM angewiesen. Woher will das Unternehmen, das trotz Hilfe der US-Regierung schwer angeschlagen ist, das Geld für die Sanierung sonst hernehmen?
Reilly begründet die Schließung von Antwerpen unter anderem damit, dass Kapazitäten wegen der sinkenden Nachfrage abgebaut werden müssen. Wenn der Manager so weiter macht, wird der Verkauf bei Opel noch stärker zurückgehen, weil die Kunden große Zweifel an der Zukunft des Unternehmens hegen. Nicht wegen der Qualität der Autos, sondern vor allem wegen der Qualität des Managements.
Opel hat schon häufig Probleme mit Führungskräften gehabt, die ihnen von GM aufgedrückt wurden. Nicht allein, weil sie der deutschen Sprache nicht mächtig waren. Eine Fehlbesetzung wie Reilly ist bei einem so schwierigen und vor allem hochpolitischen Sanierungsfall wie Opel aber besonders gravierend.
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