Es tut sich was in der Zeitarbeit: Die Branche im Allgemeinen will in ihren Ruf loswerden, miserable Löhne zu zahlen. Und die christlichen Gewerkschaften im Besonderen wollen ihren Ruf loswerden, Mini-Löhne zu akzeptieren. Beides hat zu kleinen, realen Fortschritten geführt: Sowohl die DGB-Gewerkschaften als auch die christliche Konkurrenz haben nun mit zwei Arbeitgeberverbänden höhere Entgelte vereinbart. Diverse Klauseln, die es bisher erlaubten, den untersten Tariflohn zu unterschreiten, wurden nach Angaben der Gewerkschaften gestrichen.
Die Debatte über Schlecker und Lohndumping via konzerninterne Leiharbeit zeigt offenbar Wirkung. Allerdings ist noch längst nicht alles gut in der Zeitarbeit. Jetzt muss man genau hinschauen, ob die neuen Regeln tatsächlich eingehalten werden. Was noch wichtiger ist: Die neuen Einkommen der Leiharbeiter sind immer noch extrem niedrig: In Ostdeutschland haben sie laut DGB-Tarif ab Juli gerade mal Anspruch auf 6,65 Euro pro Stunde.
Von ihrem Ziel, dass Zeitarbeiter genauso bezahlt werden wie Stammbeschäftigte, sind IG Metall und Co. noch weit entfernt. Von diesem Equal-Pay-Prinzip darf laut Gesetz nur abgewichen werden, wenn ein Tarifvertrag niedrigere Entgelte vorsieht. Dass der DGB gegen diese Ausstiegs-Klausel im Zuge der Hartz-Reformen 2003 nicht massiven Widerstand geleistet hat, war ein Fehler, unter dem Leiharbeiter noch heute leiden.
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