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Kommentar zum OECD-Bericht: Fortschritt bei der Armutsbekämpfung

Wachstum allein reicht nicht aus, damit es der Mehrheit der Menschen besser geht. Die Befunde der OECD sind aber noch nicht der Weisheit letzter Schluss.

Eva Roth.
Eva Roth.
Foto: Alex Kraus

Es ist ein klarer Fortschritt, dass sich nun auch konservative Organisationen wie die OECD um die wachsende soziale Spaltung in den Industrieländern kümmern. Wachstum allein reicht eben nicht aus, damit es der Mehrheit der Menschen in Deutschland und anderswo besser geht. Es kommt auch darauf an, wie der Wohlstand verteilt wird. Mehr noch: Eine gleichmäßige Verteilung des Wohlstands kann das Wachstum fördern, zunehmende Ungleichheit die Wirtschaftskraft dagegen schwächen.

Diese Erkenntnis ist nun bis zur OECD vorgedrungen. Und deshalb haben die Forscher der Industrieländer-Organisation jetzt Vorschläge vorgelegt, wie die Politik Wachstum fördern und gleichzeitig die Lohnungleichheit verringern kann. Genau diese Debatte müssen wir führen.

Dies bedeutet aber nicht, dass alle Befunde der OECD der Weisheit letzter Schluss sind. Die Forscher behaupten zum Beispiel, dass starke Gewerkschaften einerseits für eine gleichmäßigere Verteilung der Einkommen sorgen. Andererseits würden sie sich in Krisen negativ auf die Jobchancen von Jugendlichen auswirken.

Hmm. In Deutschland sind Gewerkschaften relativ stark. Trotzdem ist die Jugendarbeitslosigkeit in der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht wie in anderen Ländern in die Höhe geschnellt. Hier passt die Analyse nicht so recht zur Realität. Einige Befunde sind also höchst fragwürdig. Aber immerhin ist jetzt klar: Soziale Fragen gehören ins Zentrum der wirtschaftlichen Debatte.

Autor:  Eva Roth
Datum:  24 | 1 | 2012
Kommentare:  5
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