Wer hätte das gedacht? Ausgerechnet die IG Metall, die normalerweise für sichere Jobs kämpft, erlaubt den Firmen jetzt mehr Flexibilität, als das Gesetz vorsieht: In der Metallbranche in Baden-Württemberg können Arbeitnehmer künftig bis zu vier Jahre befristet beschäftigt werden. Das Gesetz sieht maximal zwei Jahre vor, es erlaubt aber den Tarifparteien, andere Regeln zu vereinbaren.
Der Tarifvertrag ist eine Not-Vereinbarung: Die Gewerkschaft hofft, so Entlassungen zu vermeiden. Ob das Kalkül aufgeht, weiß kein Mensch. Deshalb ist es vernünftig, dass der Tarifvertrag selbst befristet ist. Natürlich ist es trotzdem möglich, dass nun andere Arbeitgeber rufen: Das wollen wir auch! Und irgendwann gilt die Lockerung auf Dauer.
Mehr befristete Verträge sind aber allenfalls dann akzeptabel, wenn im Gegenzug ein anderes "Flexi-Instrument" arbeitnehmerfreundlicher wird: die Leiharbeit. Denn die meisten Zeitarbeiter haben nicht nur einen unsicheren Job, sie verdienen auch noch extrem wenig. Es ist fahrlässig, dass die IG Metall diese Gegenleistung nicht verlangt hat.
Und was ist mit den gekappten Zuschüssen bei Kurzarbeit? Für einzelne Betriebe mag es rational sein, wenn sie jetzt Kosten sparen, wo es geht. Volkswirtschaftlich ist es aber ein Problem, wenn die Löhne hier und da und dort gekürzt werden. Das schwächt die Nachfrage weiter.
Auch mit diesem Zugeständnis will die Gewerkschaft Kündigungen vermeiden. Auch hier gilt: Das wäre schön, nachprüfbar ist es nicht. Fest steht eins: Angesichts der tiefen Krise, die die Industrie besonders trifft, fällt die IG Metall als Vorreiter in der Lohnpolitik derzeit aus.
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