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Kommentar zur Deutschen Bank: Unpassend

Joseph Ackermann sollte wissen, dass die Krise außerhalb der Deutschen Bank noch lange nicht ausgestanden ist - und Spitzenbezüge wie seine jeglicher gesellschaftlichen Verantwortung Hohn sprechen. Von Antje Schüddemage

Antje Schüddemage ist Wirtschaftsredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Antje Schüddemage ist Wirtschaftsredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

Jetzt ist es amtlich: Die Krise ist vorbei, zumindest im Hause Deutsche Bank. Denn Josef Ackermann, Chef unseres heimischen Branchenprimus, kann wieder Spitzenzahlen vermelden - auch in eigener Sache. Knapp zehn Millionen Euro Gehalt kassiert er für das Geschäftsjahr 2009, fast schon wieder so viel, wie vor der Krise. Damit ist er aller Wahrscheinlichkeit nach der Spitzenverdiener unter den Lenkern der 30 Dax-Konzerne.

Noch vor eineinhalb Jahren, als die Krise so richtig wütete, hatte das Alphatier der deutschen Bankenbranche öffentlichwirksam den Vorreiter gegeben und auf sämtliche Bonuszahlungen verzichtet. Ein Grundgehalt von 1,39 Millionen Euro sollte reichen. Die Botschaft an Politik und Steuerzahler war klar: Ackermann hat verstanden. Hohe Boni in Zeiten der Krise, wo Millionen an Staatsgelder in notleidende Banken gepumpt werden, kommen nicht gut an. "Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion und besondere Verantwortung. Dieser müssen sie gerecht werden", stellte der oberste Deutschbanker fest und forderte die Branche damit zur Nachahmung auf.

Heute muss man sich die Frage stellen, ob Josef Ackermann wirklich verstanden hat oder seine Verzichtsaktion doch nur ein großer PR-Gag war. Ist es vorbildlich, wenn er jetzt wieder Bezüge einstreicht, die an der zweistelligen Millionenmarke kratzen, während der Staat mit einer Rekordverschuldung kämpft, die Arbeitslosigkeit krisenbedingt steigt?

Ackermann hat die Bank gut durch die Krise geführt, mag man argumentieren. Das stimmt. Aber wovon hat die Deutsche Bank in der Krise profitiert? Natürlich von der Bankenrettung, ohne die auch sein Institut nicht mehr existieren würde. Danach kommen die niedrigen Zinsen der Zentralbanken, die es vor allem Investmentbanken erlauben, ordentliche Zinsmargen einzustreichen. Und, pikant, pikant, die Deutsche Bank profitiert enorm vom akuten Finanzbedarf klammer Staaten, der das Anleihegeschäft blühen lässt.

Ackermann sollte wissen, dass die Krise außerhalb seines Instituts noch lange nicht ausgestanden ist - und dass solche Spitzenbezüge jeglicher gesellschaftlichen Verantwortung Hohn sprechen.

Autor:  Antje Schüddemage
Datum:  16 | 3 | 2010
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