Die Milchpreise fallen dramatisch. Manche Molkerei zahlt keine 20 Cent je Liter mehr. Die EU berät heute über Ausfuhrhilfen, um den Markt zu entlasten. Davon sollte sie die Finger lassen. Von Stephan Börnecke
Quiz: Testen Sie Ihr Wissen zum Thema Milch!
Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
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Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
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Deutsche Milchbauern durchschreiten ein tiefes Tal. Auch im Februar, was die Landwirte stets am 15. des Folgemonats schwarz auf weiß von der Molkerei bekommen, hat sich der rabiate Preisverfall fortgesetzt.
Im Norden der Republik ist sogar schon die 20-Cent-Marke geknackt. Und der Lebensmittelhandel, heißt es in diesen Tagen, wolle dieses Dumpingpreisniveau festschreiben, und zwar bis ins nächste Jahr hinein.
Bauernverband und der Verband der Milchviehhalter sind empört. Denn was den Verbraucher vielleicht noch frohlocken lässt, wenn Butter und Milch so billig wie vor zehn Jahren ist: Bauern stellt es vor die Existenzfrage.
Sieht dann so die Zukunft aus? In den USA wird die meiste Milch erzeugt in Betrieben, in denen mindestens 2000 Kühe stehen. 30 bis 40 Familien dominieren das Geschäft mit der Milcherzeugung. In Deutschland stehen demgegenüber in einem durchschnittlichen Betrieb gerade mal 40 Tiere.
Proteste gegen Milchpreise
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Proteste gegen Milchpreise
Ein Kalb wird auf einem Hof in Brammer mit Milch gefüttert.
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Bauern blockieren in Leppersdorf mit ihren Traktoren und Fahrzeugen eine Zufahrt zur Molkerei Sachsen-Milch an der Autobahnabfahrt zur Bundesautobahn A4. Sie verhindern damit die Milchlieferungen zur Molkerei Mueller-Milch.Sachsen-Milch, zur Unternehmensgruppe Theo Mueller gehörend, hatte den Aufkaufpreis für Milch am 6. Mai auf 33 Cent je Liter gesenkt.
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Gut 200 Milchbauern aus verschiedenen Bundesländern blockieren im sächsischen Leppersdorf (Kreis Kamenz) die Zufahrt zur Sachsenmilch AG der Müllermilchgruppe. Mit acht Traktoren, Autos, Fuhrwerken und Lkw machten sie die Landstraße ober- und unterhalb des Abzweigs zu dem Werk des zur Müller-Gruppe gehörenden Unternehmens dicht. Der Verkehr war komplett unterbrochen.
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Landwirt Rüdiger Meyer aus Körner in Nordthüringen nimmt an der Protestaktion der Milchbauern vor den Milchwerken Thüringen GmbH in Erfurt teil.
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Mehr als 100 Milchbauern aus Thüringen, Bayern und Hessen blockieren sämtliche Zufahrten zur Milchwerke Thüringen GmbH in Erfurt.
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Ein Transparent mit der Aufschrift "Milchlieferstopp. Ich bin dabei" hängt an einem Zaun vor den Milchwerken Thüringen GmbH in Erfurt.
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Rund 100 Landwirte aus der Region haben auf einem Feld bei Saal an der Saale (Unterfranken) mit ihren Traktor-Gespannen die Zahlen 43-85-2,5 gestellt. Die Zahl 43 steht für den Cent-Preis, den sie künftig für einen Liter Milch erhalten sollten. Die Zahl 85 steht für den Verkaufspreis in Cent, den der Liter aus ihrer Sicht normalerweise kosten sollte. Die Zahl 2,5 steht für die Erhöhung der Milchquote von 2,5 Prozent.
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Landwirt Andreas Pröbsting gießt in Everswinkel (Kreis Warendorf) auf seinem Hof Rohmilch in einen Eimer, um damit Kälber zu füttern. Aus Protest wird die Milch nicht der üblichen Weiterverarbeitung zugeführt.
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Das Modell einer schwarz-rot-gelben Kuh mit der Aufschrift "Die faire Milch" steht in Glandorf (Landkreis Osnabrück) an einer Straße.
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Landwirt Georg Vos (l.) und der Angestellte der Vieh- und Land Zethau GmbH im sächsischen Erzgebirge, Frank Walther, schütten im Kuhstall des Betriebes in Zethau Eimer mit frischer Milch in den Abfluss.
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Der deutsche Milchbauer Konrad Schmid steht in Hörd bei Straßburg (Frankreich) vor der blockierten Zufahrt einer elsässischen Molkerei. Deutsche und französische Milchbauern wollen damit verhindern, dass Milch nach Deutschland in die bestreikten Molkereien geliefert wird.
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Mehrere hundert Milchbauern aus Schleswig-Holstein protestieren mit einer Sternfahrt in Richtung Rendsburg gegen die niedrigen Milchpreise.
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Im vergangenen Jahr waren die Milchpreise nach jahrelanger Stagnation zum Teil drastisch gestiegen. Nun herrscht bei den Bauern wegen starker Preisabschläge Existenzangst.
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Ein Landwirt öffnet im Unterallgäuer Ort Illerbeuren in Bayern seinen Milchtank und lässt die Milch in einen Abfluss seines Melkhauses laufen.
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ddp
Fotostrecken Wirtschaft
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Wer die amerikanischen Verhältnisse will, möge weiter an der Preisschraube drehen. Wer eine Milcherzeugung will, in der Regionalität, Qualität und Nachhaltigkeit wichtige Werte sind, der darf diesen Trend nicht zulassen.
So sehr Handel auch an niedrigen Preisen interessiert ist und so ökonomisch verständlich es erscheint, das niedrige Niveau auszunutzen, so gefährlich für die Landbewirtschaftung dieses Landes ist es, diese aktuelle Lage auszunutzen.
Wie verzwickt die von schleppendem Absatz und nicht angepasster Produktion gekennzeichnete Situation ist, zeigt der Blick nach Brüssel. Dort sitzt heute der Agrarrat der europäischen Landwirtschaftsminister zusammen: Es geht um die Exportsubventionen für die Milchprodukte.
Doch solche Ausfuhrhilfen sind - erstens - nur ein Tropfen auf den heißen Stein, und zweitens: Sie mögen im Inland die Symptome lindern, sorgen aber auf dem Weltmarkt für ungerechte Preisverzerrungen.
Also: Finger weg davon - und stattdessen dafür sorgen, dass alle Landwirte die Milchmenge reduzieren. Aber davon sind die maßgeblichen Funktionäre und EU-Politiker meilenweit entfernt.