Mag der Begriff "Positivkennzeichnung" von Lebensmitteln, die mit der Gentechnik irgendwie in Kontakt kamen, attraktiv daherkommen - er ist eine Nebelkerze. Denn er lenkt ab von den wahren (Umwelt- wie Ernährungs-)Risiken, die mit der Erzeugung von Lebensmitteln verbunden sind.
Der Verdacht drängt sich auf: Einige der Marktführer wollen die Keime einer "Ohne-Gentechnik"-Produktion ersticken, in der es hauptsächlich auf den Verzicht von Übersee-Soja ankommt.
Die Strategie: Behaupten, die Gentechnik stecke irgendwie in sehr vielen Lebensmitteln schon heute drin. Weil das so sei, brauche man sich um den Verzichts-Hokuspokus nicht zu kümmern. Man redet das (sicher mit unschönen Kompromissen behaftete) Siegel "Ohne Gentechnik" madig, rät indirekt zum Einstampfen - und setzt darauf, dass die EU eines fernen Tages eine neue Kennzeichnung entworfen hat.
Insider ahnen: Die Top-Player sind nervös geworden. Ihnen ist unheimlich, dass nicht nur ein paar Querdenker aus der Bio-Ecke die gentechnikfreie Produktion von Milch und Fleisch für sich entdeckt haben. Sondern mit der Molkerei Campina (Platz sieben der 100 Molkereien), dem Hähnchenspezialisten Stolle (Platz zwei seiner Branche) und dem Discounter Lidl sogar Topfirmen.
Damit droht längst die Behauptung von interessierten Agrarkonzernen und Futtermittelimporteuren in sich zusammenzufallen, wonach eine Tierfütterung ohne Gen-Soja mangels Nachschub nicht möglich sei. Jeden Tag wird das Gegenteil bewiesen. Diese Botschaft kommt in den Soja-Erzeugerländern an.
Nichts gegen eine alle Prozessstufen umfassende Gentechnik-Kennzeichnung, im Gegenteil: Klar muss nur sein, dass die Produktion von Zusatzstoffen von der Umwelt abgeschirmt geschieht und das Endprodukt auch kein gentechnisch verändertes ist.
Die Produktion von Gen-Futter hingegen, ob auf gerodeten Regenwaldflächen oder in Monokulturen, kann weitreichende, unter Umständen kaum mehr rückholbare Auswirkungen für die Umwelt haben. Genau das verschleiert die Industrie mit einer undifferenzierten Prozesskennzeichnung.
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