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Kommentar zur Genkartoffel: Keiner braucht Amflora - außer BASF

Der Konzern übt horrenden Druck aus. Mit seiner Zulassung der Genkartoffel ignoriert Europas Gesundheitskommissar Dalli Warnungen der Weltgesundheitsorganisation - und handelt fahrlässig. Von Stephan Börnecke

Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

Keiner braucht Amflora. Die Bauern nicht, die Stärke-Industrie nicht, die Verbraucher nicht. Keiner? Doch. Der Chemiekonzern BASF braucht sie. Nicht um damit großartig Geld zu verdienen. Sondern um mitspielen zu können auf dem Gebiet der Agro-Gentechnik. Denn im Gegensatz zu den Global Playern wie Monsanto, Pioneer, Syngenta oder Bayer hat BASF auf diesem Sektor bislang nichts zu bieten. Ludwigshafen hechelt hinterher.

Angesichts des Konkurrenzdrucks kam nicht nur dem Konzern die Vernunft abhanden, sondern die Industrieinteressen verstellten auch dem neuen EU-Gesundheitskommissar John Dalli den Blick auf die Realität.

Der Malteser traf eine Entscheidung, die aus Sicht des Gesundheits- und Verbraucherschutzes bedenklich ist: Denn Amflora enthält eine Resistenz gegen Antibiotika wie sie in der Humanmedizin eingesetzt werden.

Mit der Zulassung ignoriert Dalli Warnungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Er handelt fahrlässig, denn Amfloras Reste können auf dem Umweg über Tierfutter in der menschlichen Nahrungskette landen. In Spuren nur, aber immerhin.

BASF hat horrenden Druck ausgeübt. Der ist nicht allein Amflora geschuldet. Denn die Kartoffel gilt nur als Einsteiger-Droge für weitere Gen-Pflanzen. Anders als der verbotene Gen-Mais produziert die Kartoffel kein (Insekten)Gift, sondern es wurde mit Hilfe der Gentechnik eine Funktion ausgeknipst. Das klingt harmlos, ist aber auch mit normaler Pflanzenzucht und damit ohne Antibiotika-Risiko zu erreichen.

Da zudem die Gefahr einer Verwilderung und Vermischung mit anderen wilden Pflanzen klein erscheint, könnte die Folge ein Reflex sein, nach dem Motto: "Seht her, Amflora ist harmlos, also sind es Gen-Pflanzen insgesamt."

Die Kartoffel wäre dann der Türöffner für ganz andere genmodifizierte Saaten. Zumal die nächste BASF-Kartoffel zwar ein fremdes, aus einer Wildkartoffeln entnommenes Gen trägt, aber eben kein völlig artfremdes, wie das beim Gen- Mais der Fall ist. All das könnte einen schleichenden Prozess auslösen, den der Verbraucher nicht will. Den aber die Agro-Industrie seit Jahren hartnäckig betreibt.

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  2 | 3 | 2010
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