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Kommentar zur Lebensmittelkennzeichnung: Grüner Klecks

Noch ein Zeichen, Label, Logo, Signet. Ist das wirklich nötig? Eigentlich nicht. Doch gar so einfach ist die Sache mit der Lebensmittelkennzeichnung nicht. Von Stephan Börnecke

Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Stephan Börnecke ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

Ups. Noch ein Zeichen, Label, Logo, Signet. Ist das wirklich nötig? Nein! Eigentlich nicht. Doch gar so einfach ist die Sache nicht. Denn statt uns Verbraucher mit einem weiteren bunten Klecks auf Tüten, Dosen und Schälchen zu beglücken, könnte die EU auch schlicht die Kennzeichnungspflicht im Gentechnikrecht endlich umfassend regeln. Denn wenn in exotischen Reis- oder Nudelgerichten gentechnisch verändertes Soja verwendet wurde, dann muss der Hersteller das draufschreiben. Was der tunlichst vermeidet, denn er scheut den Konflikt mit dem deutschen Verbraucher. Deshalb ist Gen-Soja, Gen-Mais oder Gen-Reis auch in aller Regel nicht drin im Lebensmittel.

Bei Kuh, Schwein und Huhn aber sieht es anders aus: Haben sie Gen-Soja im Trog, verschweigt die Verpackung des entstehenden Produkts die Gen-Historie.

Die Kennzeichnungslücke wird seit langem beklagt, sie bleibt vorerst bestehen. Denn eine mächtige Lobby aus Saatgutindustrie und Futtermittelherstellern, wozu auch die meisten Raiffeisengenossenschaften gehören, will daran nicht rütteln. Sie wollen die Gentechnik auch uns in Deutschland, dem größten europäischen Markt, aufdrücken. Deshalb haben sie kein Interesse daran, die Warenströme aus Übersee sauber zu trennen. Die Importeure geben unkritisch dem Druck der Produzenten in Übersee und damit Konzernen wie Monsanto, Syngenta oder Pioneer nach.

Dagegen wehren sich aber nicht nur Verbraucher und Öko-Bauern (für sie ist die Gentechnik ohnehin tabu), sondern mehr und mehr auch konventionelle Landwirte, Metzger, Molkereien, Hähnchenproduzenten. Die beiden Marktführer Wiesenhof und Stolle, die zusammen jede Woche 6,8 Millionen Broiler schlachten, entlarven mit ihrer Praxis die Behauptungen der Lobbyisten, wonach es angeblich nicht mehr genug gentechnikfreies Soja gebe. Es gibt genug. Und die Landliebe-Milchbauern der Campina-Molkerei beweisen, dass es zudem Alternativen zum Eiweiß-Futter aus Amerika gibt - ob Rapskuchen, Erbsen oder Ackerbohnen.

Das Logo der Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner ist nur ein Hilfsmittel, um eine Lücke der EU-Bürokratie auszugleichen. Es liefert den Hinweis darauf, dass es Bauern, Hersteller und Händler gibt, die sich von der Gentechnik distanzieren. Dem Kunden zuliebe. Aber genau deshalb brauchen wir den neuen grünen Klecks auf Tüten und Dosen.

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  10 | 8 | 2009
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