Mit Logik hat die Entwicklung an den Börsen nicht immer etwas zu tun. Vor allem, wenn Personalien in den Managementetagen dazu genutzt werden, um die Aktienkurse der entsprechenden Unternehmen zu bewegen. Gestern hatten die Händler mit dem Aufstieg von Automanager Wolfgang Bernhard in den Daimler-Vorstand und dem Rauswurf von SAP-Chef Léo Apotheker üppigen Stoff zum Zocken.
Dabei ist die erste Personalie eigentlich nicht sonderlich spektakulär. Dass Bernhard früher oder später an die Daimler-Spitze rücken und sich nicht in der zweiten Reihe mit der Verantwortung für das Transportergeschäft zufriedengeben würde, war klar, als er vor etwa einem Jahr zu Daimler zurückkehrte. Der Anstieg des Daimler-Kurses wirkt auf den ersten Blick börsenlogisch. Denn Bernhard ist charismatisch und als Kostendrücker bekannt. Das gefällt, auch wenn damit erneut Konflikte mit den mächtigen Betriebsräten "beim Daimler" programmiert sind.
Über die tatsächlichen Managementfähigkeiten von Bernhard lässt sich allerdings streiten. Denn er war vier Jahre lang beim US-Autobauer Chrysler für das operative Geschäft verantwortlich, als Daimler dort noch Großaktionär war. Dass Chrysler durch die Anwesenheit von Bernhard spürbar gewonnen hätte, ist nicht überliefert. Außerdem ist er ein alter Weggefährte des amtierenden Daimler-Chefs Dieter Zetsche. Ein nötiger Kurswechsel bei dem Autobauer, der mit großen Problemen zu kämpfen hat, scheint daher mit dem Aufstieg von Bernhard nicht verbunden zu sein. Die Euphorie an der Börse wirkt somit eher wie Zweckoptimismus.
Bei der SAP-Personalie verwundert die Reaktion "des Marktes" ebenfalls. Denn eigentlich hätte der Aktienkurs steigen und nicht fallen müssen. Apotheker fliegt raus, weil er SAP am Kunden vorbei wirtschaften ließ. So lautet der Umkehrschluss aus der offiziellen Begründung für den Rausschmiss: "Die Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen." Doch das nimmt die Börse SAP-Mitbegründer und Oberkontrolleur Hasso Plattner wohl nicht ab. Zumindest das wirkt logisch.
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