Schon in Zeiten des Kalten Krieges zählte das Sipri-Institut wegen seiner Unabhängigkeit zu den wichtigsten Informationsquellen in Rüstungsfragen. Auch jetzt sorgen die Stockholmer Friedensforscher immer wieder für wichtige Denkanstöße - nicht nur als konsequente Waffenzähler, sondern auch, weil die Experten es verstehen, ihre Ergebnisse in einen größeren Zusammenhang zu stellen.
Kürzlich lösten die Forscher in der Bundesrepublik heftige Debatten aus, als sie offenlegten, dass sich die deutschen Rüstungsexporte verdoppelt hatten. Jetzt nehmen sie sich die größten Rüstungskonzerne der Welt vor und weisen nach, dass deren Umsatz die Wirtschaftskraft vieler Entwicklungsländer weit übertrifft.
Allein die Waffenverkäufe des britischen Konzerns BAE Systems, mit dem sich nun erstmals ein europäisches Unternehmen an die Spitze der Waffenschmieden gesetzt hat, waren größer als das von der Weltbank errechnete Sozialprodukt von 105 Staaten der Dritten Welt.
Entsprechend groß ist die Macht der Waffenschmieden und ihrer Lobby. Was die reichen Industriestaaten an Hilfe für die Entwicklungsländer ausgeben, ist nur ein Bruchteil ihrer Investitionen in das Wettrüsten.
Die Sipri-Liste der 100 größten Rüstungshersteller mag nicht ganz zutreffend sein, weil die Friedensforscher mit offenen Quellen arbeiten und aus Ländern wie etwa der Volksrepublik China oder Teilen der ehemaligen UdSSR verlässliche Daten schwer zu bekommen sind. Doch dies ändert nichts am generellen Bild. Das in der Rangliste ausgewiesene Missverhältnis ist ebenso unbestreitbar wie eklatant: Mehr als 90 Prozent der Umsätze der größten Waffenkonzerne stammen aus Nordamerika und Westeuropa, also vornehmlich aus Nato-Ländern.
Was die Frage aufwirft, gegen wen sich der Westen denn eigentlich rüstet? Und ob die vielen Milliarden Dollar und Euro sowie die Arbeitskraft der fünf Millionen Menschen, die in den Rüstungskonzernen beschäftigt werden, nicht auch für eine konstruktivere Produktion genützt werden könnten? Das mag banal klingen. Aber gerade die banalsten Fragen sind oft die wichtigsten.
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