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Kommentar zur Welternährung: Wir brauchen die Agrar-Revolution

Rund 60 Staatsoberhäupter und Ministerpräsidenten reisen zum Welternährungsgipfel nach Rom, aber Angela Merkel und Barack Obama werden fehlen. Das zeigt, welchen Stellenwert der Kampf gegen den Hunger hat. Von Tobias Schwab

Tobias Schwab ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Tobias Schwab ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: fr

Papst Benedikt XVI. eröffnet den Welternährungsgipfel in Rom. Hilft jetzt nur noch beten? Warten die Verantwortlichen angesichts einer Milliarde hungernder Menschen auf ein Brotwunder?

Es schadet nicht, dass der Pontifex den Vertretern aus 191 Staaten zum Auftakt der dreitägigen Konferenz die Leviten liest. Ob´s aber nützt? Mehr als 60 Staatsoberhäupter und Ministerpräsidenten reisen zum Gifel an.

Doch längst nicht aller Wege führen nach Rom. Außer dem gastgebenden Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi wird aus der Runde der führenden Industrienationen (G8) keiner zum Treffen erscheinen. Barack Obama nicht, Gordon Brown nicht und Angela Merkel nicht.

Das ist Politik und zeigt, welchen Stellenwert der Kampf gegen den Hunger hat. Das Millenniumsziel, die Zahl der Unterernährten bis 2015 zu halbieren, haben die G8 offenbar längst fahren lassen. Nur ein konzertierter Auftritt der Regierungschefs in Rom hätte noch einmal das Signal senden können, dass die Reichen die Schwachen nicht im Stich lassen und sich an der Millenniums-Mission hart abarbeiten.

Doch nicht nur der Mangel an Solidarität enttäuscht, auch die auf dem Gipfel verhandelten Strategien überzeugen nicht. Immerhin hat die Nahrungsmittelkrise die Überzeugung reifen lassen, dass wieder mehr Geld in ländliche Entwicklung fließen muss. Noch entscheidender aber ist die Frage, welches Landwirtschafts- und Ernährungsmodell die Geberstaaten damit finanzieren.

Der Entwurf der Gipfelerklärung von Rom folgt noch immer dem Credo, durch massiven Einsatz von Hybridsaatgut, Düngemitteln und Biotechnologie die Erträge zu steigern - was vor allem dem Agrobusiness dient. Als ob ein Mangel an Nahrungsmitteln und nicht deren ungerechte Verteilung das Problem wäre.

Wirklich hilfreich wären Investitionen in eine agrarökologische Revolution, die Kleinbauern und Kooperativen fördert, ihnen Zugang zu lokalen Märkten verschafft, die Menschen der Region satt und die armen Länder unabhängiger vom Weltmarkt macht.

Es braucht kein Brotwunder, nur eine kluge Politik, die sich am Recht auf Nahrung orientiert.

Autor:  Tobias Schwab
Datum:  16 | 11 | 2009
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