kalaydo.de Anzeigen

Wirtschaft
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse, Finanz-Themen

22. Juni 2009

Konjunktur: Weltbank kürzt Prognosen

Weltbank-Chef Robert Zoellick hofft, dass Chinas Wachstum die Welt aus der Rezession führt. Foto: ddp

Die Weltbank ist pessimistisch. Sie hat ihre Prognosen für die Wirtschaft in der Eurozone, den USA und Japan nach unten korrigiert. In Entwicklungsländer fließt viel weniger Kapital als bisher.

Drucken per Mail

Seoul. Die Weltbank hat ihre Konjunkturprognosen für die Euro-Zone, die USA und Japan gesenkt. Die wirtschaftlichen Aussichten seien weiter ungewöhnlich unsicher. Daher werde die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone, in den USA und in Japan 2009 stärker schrumpfen als bislang angenommen. Auch die Erholung werde im kommenden Jahr schwächer ausfallen. Dagegen blickt die Weltbank optimistischer als zuvor auf die Erholung 2010 in China, Russland und Indien.

Für die Eurozone rechnet die Weltbank im laufenden Jahr nun mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 4,5 Prozent statt dem bislang vorausgesagtem Minus von 2,7 Prozent. Die US-Wirtschaft soll demnach um drei Prozent schrumpfen statt um 2,4 Prozent, die japanische Wirtschaft um 6,8 Prozent statt um 5,3 Prozent.

Für das nächste Jahr schraubte die Weltbank ihre Wachstumsprognose für die Eurozone auf 0,5 Prozent von 0,9 Prozent zurück. Die Vorhersage für die USA nahm sie auf 1,8 Prozent von 2,0 Prozent zurück. In Japan sei nur noch mit einem Wachstum von 1,0 Prozent statt 1,5 Prozent zu rechnen.

Wachstum in China bleibt "beachtlich"

Das Wirtschaftswachstum Chinas werde in diesem Jahr und im kommenden "beachtlich" bleiben, erklärte die Weltbank. Für 2010 rechnet sie mit einem Wachstum von 7,7 Prozent. Allerdings sei es noch zu früh für Festlegungen, ob das Wachstum "nachhaltig" und stabil sein werde.

China hatte im November ein Konjunkturpaket in Höhe von umgerechnet rund 450 Milliarden Euro angekündigt. Das Geld soll vor allem in den Ausbau der Infrastruktur fließen. Allein die staatlichen Hilfen würden für ein Wachstum von sechs Prozent 2009 sorgen, sagte Weltbank-Ökonom Louis Kuijs. Weltbank-Chef Robert Zoellick hatte bereits in der vergangenen Woche gesagt, Chinas Wachstum werde die Welt aus der Rezession führen.

Kapitalfluss in Entwicklungsländer schrumpft

In der Weltwirtschaftskrise meiden Investoren und Anleger Asien, Afrika und Lateinamerika. Nach einer weiteren Weltbankstudie bricht der Kapital-Zustrom in die Entwicklungs- und Schwellenländer massiv ein. Flossen 2007 netto 1,2 Billionen US-Dollar in diese Staaten, waren es 2008 nur noch 707 Milliarden - ein Rückgang um rund 40 Prozent. Für das laufende Jahr sagen die Weltbank-Ökonomen sogar einen Absturz auf nur 363 Milliarden Dollar voraus.

Eine Rolle spielt dabei auch, dass Migranten aus Afrika und Lateinamerika weniger Geld an ihre Familien zu Hause überweisen. Die ärmsten Staaten müssen zudem ein Sinken der Entwicklungshilfe befürchten.

Der Zufluss von privatem Kapital galt in den vergangenen Jahren als wichtige Säule für Wirtschaftswachstum und Armutsbekämpfung in Entwicklungsländern. Die Geldströme machen ein Vielfaches der Entwicklungshilfe der Industrienationen aus, die insgesamt etwa 100 Milliarden Dollar pro Jahr beträgt. Nun alarmiert das Stocken der Kapitalbewegungen die Weltbank: Der Einbruch könnte eine neue Welle der Instabilität für die globale Wirtschaft auslösen, die bereits in der Rezession steckt.

Warnung vor neuer Schuldenkrise

In diesem Jahr erwarten die Weltbank-Ökonomen eine Schrumpfung der Weltwirtschaft um 2,9 Prozent. In den Entwicklungsländern dürfte die Wachstumsrate mit 1,2 Prozent noch ein leichtes Plus aufweisen, aber nicht mehr mit dem Wachstum der Bevölkerung Schritt halten.

Hans Timmer, einer der Weltbank-Direktoren, mahnt zu raschen Hilfen für die ärmsten Länder, die wegen der Verflechtung der internationalen Finanzmärkte stark von privatem Kapital abhingen.

Weltbank-Chefökonom Justin Lin betont die Notwendigkeit, das internationale Kreditgeschäft wieder in Gang zu bringen. Zugleich warnen die Experten vor einer neuen Schuldenkrise der Entwicklungsländer wie in den 70er und 80er Jahren. Die Defizite in den Staatshaushalten müssten auf mittlere Frist abgebaut werden, heißt es in dem Bericht. (rtr/epd)

Jetzt kommentieren

Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.

Videonachrichten Wirtschaft
Steueroasen
Beliebtes Steuerparadies: Cook Inseln.

Die Enttarnung geheimer Geschäfte in Steueroasen beschäftigt Politik und Wirtschaft. Berichte und Hintergründe finden Sie in der Offshore Leaks-Themensammlung.

FR-Forum Entwicklung
Das "Forum Entwicklung" ist eine Veranstaltungsreihe von FR, Giz und HR-Info.

Die FR diskutiert mit Polarexperte Arved Fuchs, Prof. Claudia Kempfert und Dr. Stephan Paulus.

Mitreden

Erst kippen die Banken - dann wackelt die Weltwirtschaft. Nun wird die Finanzbranche umgebaut - und der Staat stützt die Konjunktur. Reden Sie mit.

Smartphone-Markt
Anzeige
Animation

Die weltweite Ausbeutung der Schiefergas-Reserven könnte den Energiemarkt nachhaltig verändern: Animation mit Infos zu Vorkommen weltweit und der umstrittenen Fördermethode "Fracking".

Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen
FR-Spezial

Wendige Elektroautos statt schwerer Spritfresser, enges Bahnnetz statt weniger schneller Strecken - wie wir mobil bleiben.

FR-Spezial
Die IG Metall will in Kürze entscheiden, ob sie zu Warnstreiks in der Stahlindustrie aufruft.

Kurzarbeit, Jobabbau - wie sozial unsere Marktwirtschaft noch ist. Und: Hartz IV - Nachwirkungen der großen Sozialreform.

Frauen in die Aufsichtsräte

Die EU will, dass 40 Prozent der Aufsichtsräte weiblich sein sollen. Für Vorstände gilt das nicht. Eine gute Lösung?

22% Ja, finde ich gut. Die Unternehmen ernennen von sich aus keine Frauen.
67% Nein, ich bin dagegen. Die Qualifikation ist wichtiger als das Geschlecht.
11% Ist egal, für die Wirtschaft ist das nicht entscheidend.

Euro-Krise

Das Märchen von den Griechen

Von Stephan Kaufmann | 22 Kommentare
Die Geschichte der griechischen Krise wird sehr einseitig beschrieben. Europa ist gut, Athen ist böse. Europa muss sein Sorgenkind erziehen - oder es aus dem Euro werfen.

Die Geschichte der griechischen Krise wird sehr einseitig beschrieben. Europa ist gut, Athen ist böse. Europa muss sein Sorgenkind erziehen - oder es aus dem Euro werfen. Es geht um „Lügen“, „Sorgen“ und der teuren „Rettung“. Dahinter verbergen sich knallharte Interessen. Mehr...

Anzeige
Faktencheck
Zurück zur Drachme um den Euro zu retten?

Griechenland steht im Ruf, über seine Verhältnisse gelebt zu haben. Mythen über die Ursachen der Krise.

Anzeige
Weblog

Ob mit Bahn oder Auto, Fahrrad oder zu Fuß - Pendler leiden morgen für morgen geduldig. Bisher. Nun reden sie. Im FR-Pendlerblog.

Wirtschaft-Spezial

Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.


Faktencheck
Steigende Beiträge zur Sozialversicherung - die Zukunft?

Was würde passieren, wenn Deutschland ein Sparpaket bewältigen müsste wie Griechenland? Ein erschreckendes Szenario.

In eigener Sache

Die Zukunft der Frankfurter Rundschau ist gesichert. Die Eigentümer betonen, es gibt keinen Einfluss auf das gewachsene politische Profil. Chefredakteur Festerling blickt nach vorne: "Wir haben einiges vor."