Die Wirtschaftsleistung in Euroland hat im ersten Quartal um 0,8 Prozent zugenommen. Sowohl Deutschland als auch Frankreich haben mit ihrem deutlich besser als erwarteten Wachstum zu dieser Überraschung beigetragen. Gleichzeitig aber bietet Europa auf den ersten Blick eine Zweiklassengesellschaft: Dort der alte D-Mark-Block mit dem Spitzenreiter Deutschland (plus 1,5 Prozent Wachstum gegenüber den letzten drei Monaten 2010) sowie Österreich (0,9), Holland (0,9) und Belgien (1,0 Prozent). Dazu Frankreich mit ebenfalls einem Plus von einem ganzen Prozentpunkt. „Der Kern der Euro-Zone bleibt der Anker für die gesamte Währungsunion“, sagte Christian Schulz von der Berenberg Bank
Auf der anderen Seite der Süden, der unter den Sparprogrammen leidet. Italien verharrte mit einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent wie Ende 2010 am Rande der Stagnation. Spanien steigerte sein Wachstum zwar das zweiten Quartal in Folge, blieb aber mit 0,3 Prozent bescheiden. Düster sieht es für Griechenland und Portugal aus, die wie Irland auf Finanzhilfen in Milliarden-Höhe angewiesen sind. In Griechenland wuchs die Wirtschaft zwar um 0,8 Prozent zum Vorquartal. Binnen Jahresfrist schrumpfte die Wirtschaft aber immer noch um 4,8 Prozent. EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn sprach von einem ermutigenden Zeichen, mahnte aber zugleich weitere Einsparungen an. In Portugal verschärfte sich die Rezession zu Jahresbeginn (minus 0,7 Prozent).
Peripherie kommt nicht auf die Beine
„Die Euro-Peripherie, die unter der geplatzten Immobilienpreisblase und den hohen Staatsdefiziten leidet, kommt nicht auf die Beine“, kommentierte Christoph Weil von der Commerzbank. Rolf Schneider von der Allianz indes gab sich optimistischer: Er verwies auf erhebliche Kürzungen im öffentlichen Sektor in den Südländern. Ohne diese zur Schuldenreduzierung herbeigeführte Schrumpfung des Staatssektors sähe es viel besser aus. Denn der private Sektor wachse in Spanien etwa deutlich stärker als es das Wachstumsplus nahelege. Die Binnennachfrage und die Exporte legten zu, sagte Schneider. Selbst die griechischen Exporte hätten um rund 15 Prozent angezogen, wenn auch von einer niedrigen Basis aus. Wenn das Wachstum der Binnennachfrage in Deutschland anhalte, könne sich Euroland stabilisieren, sollte die Schuldenkrise eingehegt bleiben. ( mit rtr)
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