In Deutschland zog die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal so stark an wie seit rund zwei Jahrzehnten nicht mehr. Innerhalb der Europäischen Union hätten sich Deutschland und Großbritannien mit einem Wirtschaftswachstum von 2,2 Prozent beziehungsweise 1,1 Prozent vom Rest der Mitgliedsländer abgehoben, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwoch mit.
Zurückgefallen sind dagegen die japanische und die amerikanische Wirtschaft, die um 0,1 beziehungsweise 0,6 Prozent schrumpften. In der gesamten OECD-Zone wuchs das Bruttoinlandsprodukt wie schon im ersten Vierteljahr um 0,7 Prozent - was im Vergleich zu 2009 eine Steigerung um 2,8 Prozent bedeutet. Deutschland kommt bei diesem Vergleich auf ein Wachstum von 3,7 Prozent und liegt damit auch deutlich über dem EU-Schnitt von 1,7 Prozent.
Gleichzeitig sank das vom Münchner Ifo-Institut ermittelte Weltwirtschaftsklima im zweiten Quartal erstmals seit eineinhalb Jahren wieder. Für den Zeitraum von Juli bis September gab das Barometer von 104,1 auf 103,2 Punkte nach. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Erholung der Weltkonjunktur im zweiten Halbjahr verlangsamt fortsetzen wird“, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Mittwoch zur vierteljährlichen Umfrage.
Das Barometer sank in Nordamerika und Asien, stieg aber in Westeuropa. Vor allem in Nordamerika sind die Perspektiven für die kommenden sechs Monate weniger zuversichtlich als bisher. Zuletzt hatten Signale zugenommen, dass sich in den USA als größter Volkswirtschaft der Welt die Konjunkturerholung verlangsamt. In Westeuropa hingegen kletterte das Barometer das sechste Quartal in Folge und liegt fast doppelt so hoch wie nach dem rezessionsbedingten Absturz im ersten Quartal 2009.
Aufschwung auch auf dem deutschen Arbeitsmarkt
Der Aufschwung in Deutschland schlägt sich zunehmend auch auf dem Arbeitsmarkt nieder. Im zweiten Quartal stieg die Erwerbstätigkeit erstmals seit einem Jahr wieder im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Rund 40,3 Millionen Menschen standen wieder in Lohn und Brot und damit 72.000 mehr als vor Jahresfrist. Dies war zugleich der höchste Wert in einem Frühjahrsquartal seit der Wiedervereinigung und liegt nahe dem Rekordstand von 40,7 Millionen von Ende 2008.
Während die Industrie noch Jobs abbaute, stieg die Beschäftigung bei Dienstleistern wie Handel, Gastgewerbe und Verkehr, Finanzdienstleister sowie öffentliche und private Serviceunternehmen. Hier kletterte die Zahl der Erwerbstätigen um 294.000 im Vergleich zum zweiten Quartal 2009. Im Produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) sank die Zahl der Beschäftigten um 227.000.
Der Aufschwung zeigt sich auch darin, dass die Deutschen wieder mehr arbeiten. Nach vorläufigen Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit erhöhte sich im zweiten Vierteljahr die Zahl der durchschnittlich geleisteten Arbeitsstunden im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent. „Wesentlich dazu beigetragen haben die verringerte Inanspruchnahme von Kurzarbeit sowie der leichte Anstieg der normalen Wochenarbeitszeit und der Überstunden.“
Viele Ökonomen gehen davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen im September oder Oktober unter die Marke von drei Millionen fällt. (rtr/dpa)
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