Die Wirtschaft in Deutschland boomt – doch der private Konsum trägt nicht dazu bei. Im vergangenen Jahr war er durch die Abwrackprämie aufgebläht worden, die Deutschen hatten Autokäufe vorgezogen und geben nun weniger aus. Im Gesamtjahr 2010 dürfte der Konsum daher schrumpfen, trotz Arbeitsmarktwunder. Damit stellt sich die Frage: Kommt der Aufschwung auch bei den Arbeitnehmern an? Die Experten sind mäßig optimistisch, zumindest was die Lohnentwicklung angeht.
Typischerweise dauert es etwa sechs bis neun Monate, bis ein gesamtwirtschaftlicher Aufschwung auch zu mehr Jobs führt. Angesichts der guten Wachstumszahlen wird das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) daher seine Arbeitsmarktprognose anheben. Bislang ging das Institut davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt 2010 bei rund 3,5 Millionen liegen wird. Damit wäre in etwa der Stand des Krisenjahres 2009 gehalten worden.
Doch „die Entwicklung am Arbeitsmarkt verläuft derzeit deutlich besser als angenommen“, sagte Arbeitsmarktexpertin Sabine Klinger der Frankfurter Rundschau. „Wir gehen nun davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt etwa zwischen 3,2 und 3,3 Millionen liegen wird.“ Wenn alles gut läuft, könne die Zahl der Erwerbslosen damit um fast eine Viertelmillion unter dem Wert des Vorjahres liegen.
Auch für das kommende Jahr ist das Institut optimistisch. „Wenn sich die Erholung der Wirtschaft fortsetzt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir uns beim Abbau der Arbeitslosigkeit von oben her deutlich der Marke von drei Millionen nähern“, so Klinger. Das war zuletzt 1992 der Fall.
Die Ökonomen bei den Banken erwarten für 2011 derzeit durchschnittlich 3,1 Millionen Arbeitslose. „Es ist jedoch nicht unrealistisch anzunehmen, dass die Zahl unter drei Millionen fällt“, sagte Unicredit-Volkswirt Alexander Koch. Überraschungen seien möglich, schließlich habe er vor einem halben Jahr noch einen Anstieg der Arbeitslosigkeit 2010 auf vier Millionen für möglich gehalten. Die Commerzbank glaubt, dass die Drei-Millionen-Marke erst 2012 dauerhaft unterschritten wird.
Unterm Strich bleibt weniger in der Tasche
Mit den sinkenden Arbeitslosenzahlen dürften auch die Löhne wieder stärker steigen. „Die Zeiten extremer Lohnmäßigung werden sich nicht wiederholen“, analysierte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer mit Bezug auf den Aufschwung zwischen 2004 und 2008, der an den Arbeitnehmern vorbeigegangen war.
Ob der aktuelle Aufschwung bei den deutschen Arbeitnehmern letztlich die Konsumlaune steigert, hängt jedoch wesentlich von der Inflationsrate ab. Die Preissteigerungsrate dürfte dieses Jahr etwa ein Prozent betragen und 2011 zwischen 1,3 und 1,7 Prozent liegen. Die Tariflöhne steigen nach Prognosen 2010 und 2011 um jeweils etwa 1,5 Prozent. Die effektiv gezahlten Löhne hingegen legen schwächer zu. Das bedeutet: Real bleibt den Arbeitnehmern dieses Jahr unterm Strich wohl weniger in der Tasche als 2009. Und 2011 dürfte das Plus abermals mager ausfallen.
Wie es dann weitergeht, ist umstritten. Während die Commerzbank den Wirtschaftsaufschwung fortschreibt und hohe Lohnsteigerungen erwartet, ist Deutsche-Bank-Ökonom Mayer skeptisch: „Es wird schwierig bleiben“, sagte er der Frankfurter Rundschau. „Denn ab 2012 ist aufgrund der schwächeren Konjunktur und dem Zwang zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit wohl wieder Lohnmäßigung angesagt.“
Einen Konsum-Boom wird es also kaum geben. Damit hängt das deutsche Wachstum weiter am Export − weil stärkere binnenwirtschaftliche Impulse ausbleiben.
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