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07. Januar 2016

Krankheit : Kassen zahlen Haushaltshilfen

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Wer zum Beispiel nach einem Unfall den Fuß nicht belasten darf, erhält zu Hause nun mehr Unterstützung.  Foto: imago/imagebroker

Mit der Neuregelung wird laut Gesundheitsministerium eine Versorgungslücke für jene Patienten geschlossen, die keine Unterstützung aus ihrem Umfeld bekommen.

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Als die Bremerin Elsbeth Rütten nach einer Fuß-Operation aus dem Krankenhaus entlassen wurde, kroch sie manchmal auf allen Vieren durch die Wohnung. Sie durfte ihren Fuß „kein Gramm belasten“, wie sie sagt, und trug deshalb zwölf Wochen lang einen Gips bis zum Knie. Aber nur fünf Tage lang finanzierte ihr die gesetzliche Krankenkasse stundenweise eine Hilfskraft. In den Wochen danach musste die alleinstehende Rentnerin irgendwie selber klarkommen. Notfalls auf allen Vieren.

Helfer kommen vier Wochen

Künftig soll es solche Fälle nicht mehr geben. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat der Bundestag bei der sogenannten Krankenhausstrukturreform diese Versorgungslücke geschlossen. Seit Anfang dieses Jahres gilt: Wer sich nach einem Krankenhausaufenthalt zunächst noch nicht selbst zuhause versorgen kann, hat Anspruch auf eine Haushaltshilfe und auf Nachsorge durch einen Pflegedienst.

Das gilt auch für Patienten, die gerade einen ambulanten Eingriff hinter sich haben oder die zuhause schwer erkranken – etwa an einer schweren Grippe, wie eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums erläutert. Wenn sich die Patienten in solchen Fällen weder selbst versorgen noch auf Helfer aus ihrem Umfeld zurückgreifen können, dann organisiert bei Bedarf künftig die Krankenkasse die nötige Grundpflege und die „hauswirtschaftliche Versorgung“.

In der Regel kommen die Helfer für höchstens vier Wochen ins Haus. Wenn ein Kind unter zwölf Jahren im Haushalt lebt, verlängert sich der Anspruch auf ein halbes Jahr, ebenso wenn zu der Familie ein älteres Kind gehört, das behindert und auf Hilfe angewiesen ist.

Falls sich die ambulante Versorgung in der eigenen Wohnung nicht ausreichend gewährleisten lässt, können die Patienten stattdessen in ein Pflegeheim gehen. Diese stationäre „Kurzzeitpflege“ dauert künftig maximal acht Wochen.

Rentnerin startete Petition

Mit der Neuregelung wird laut Gesundheitsministerium eine Versorgungslücke für jene Patienten geschlossen, die „ohne Unterstützungspotentiale durch Personen in ihrem sozialen Umfeld“ leben – entweder weil sie alleinstehend sind oder weil ihre Lebenspartner sich nicht um sie kümmern können.

Für wie viele Stunden am Tag die Kassen in solchen Notlagen künftig eine Haushaltshilfe bezahlen, „hängt vom Einzelfall ab“, so die Ministeriumssprecherin auf Anfrage der Frankfurter Rundschau.

Die Neuregelung ist ein Triumph für Rentnerin Rütten. Nach der leidvollen Erfahrung mit ihrer Fuß-OP hatte sie einen Verein namens „Ambulante Versorgungslücken“ gegründet und 2009 eine Online-Petition an den Bundestag gerichtet. Mehr als 25 000 Menschen unterstützten ihre Forderung, diese Versorgungslücke zu schließen. 2012 beschloss das Parlament tatsächlich eine erste Verbesserung: Die zuständige Kasse „soll“ bei Bedarf Haushaltshilfen bereitstellen, wurde damals festgelegt. Mit der jüngsten Reform wird nun aus der Soll- eine Pflichtleistung – zur Freude all jener beistandslosen Patienten, die für die Klinik nicht mehr krank genug und für Zuhause noch nicht fit genug sind.

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