Mit Empörung reagieren die Opel-Geschäftsführung und der Gesamtbetriebsrat auf Äußerungen von Gesamtmetall-Chef Martin Kannegießer, der jüngst eine Insolvenz des Autobauers für weniger tragisch als staatliche Hilfe bezeichnet hatte.
"Es ist sehr befremdend, wie Sie als Vorsitzender von Gesamtmetall über ein Mitgliedsunternehmen richten, ohne dass sie sich konkrete Informationen von den Verantwortlichen bei Opel oder GM Europe eingeholt haben", heißt es in einem der FR vorliegenden Offenen Brief. "Wir erwarten, dass ein bedeutendes Mitgliedsunternehmen von seinem Verband Unterstützung erfährt und ihm nicht in den Rücken fällt", schreiben Opel-Geschäftsführer Hans Demant und der Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz.
Ihnen sei absolut unverständlich, "wie Sie die negativen finanziellen Auswirkungen auf die zahlreichen mittelständischen Unternehmen in der Zulieferindustrie und Dienstleistungen ignorieren". Dies wäre bei einem Scheitern von Opel der Fall - "und dies nicht nur in Deutschland". Europaweit hängen an dem Schicksal von GeneralMotors etwa 400.000 Arbeitspätze im Unternehmen selbst und bei Zulieferern und Händlern.
Die Bundesregierung will sich mit einer Entscheidung über staatliche Hilfe für Opel Zeit lassen. Dies sagte ein Regierungssprecher. Zur Begründung verwies er auf das lückenhafte und ergänzungsbedürftige Zukunftskonzept, das Opel vorgelegt habe.
Tatsächlich liegt das Problem ganz woanders. Insider betonen, dass der Rettungsplan alles andere als lückenhaft sei. Unklar sei vielmehr, wie die US-Regierung und der Mutterkonzern General Motors (GM) mit dem Thema umgehen. Ein großes Problem bekommt der Autobauer Opel, der in Europa zusammen mit der britischen Schwester Vauxhall die Unabhängigkeit von GM in Form einer Europäischen Aktiengesellschaft anstrebt, falls die Mutter in den USA Gläubigerschutz beantragt, bevor Opel Zugang zu Rechten und Patenten erhält. Die sollen bereits an die Regierung verpfändet sein. Dies dürfte deshalb auch ein Thema bei dem Treffen von Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) mit Vertretern der US-Regierung in wenigen Tagen sein.
Opel-Betriebsräte im Ruhrgebiet verlieren langsam die Geduld: Sie fordern die Bundesregierung auf, schnell über das mögliche Rettungspaket für den angeschlagenen Opel-Konzern zu verhandeln. "Andernfalls werden wir kreative Lösungen finden, die Arbeitsplätze zu retten", sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel der FR. Denkbar seien Resolutionen, Demonstrationen oder auch "Informationsveranstaltungen" als Ersatz für Streiks. "Ich weiß von nichts", sagte hingegen der Chef des Europäischen Arbeitnehmerforums von GM, Klaus Franz, der FR. "Wenn wir Aktionen planen, dann machen wir das koordiniert auf europäischer Ebene", stellte er klar.
Kruse: "Dieses Wischiwaschi ist einfach ärgerlich"
Auch Bernd Kruse, Gesamtbetriebsratsvorsitzender vom Essener Stahlriesen Thyssen-Krupp, nervt das Zögern der Bundesregierung. "Dieses ständige Wischiwaschi ist einfach ärgerlich." Auch zehntausend Stahlarbeiter seines Konzerns hingen am Tropf der Autoindustrie. In den vergangenen Tagen haben sich immer wieder Mitglieder des schwarz-roten Bundeskabinetts bemüßigt gefühlt, die Lage bei Opel zu bewerten. So hatten auch Guttenberg und Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) eine Insolvenz des Autobauers ins Gespräch gebracht. Von einer Änderung des Insolvenzrechts war im Wirtschaftsministerium laut Bild-Zeitung ebenso die Rede. Gestern allerdings ruderte das Ressort zurück und sagte, eine Korrektur des Insolvenzrechts sei nicht geplant.
Das ständige Gerede auch über eine Pleite von Opel nannte indes die SPD "verantwortungslos". Der Staat müsse sich "alle Möglichkeiten offen halten, Opel zu helfen", meinte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil.
Wie aus Kreisen von Opel verlautet, ist das Unternehmen nicht am Ende, wenn staatliche Hilfe nicht umgehend fließt. Sowohl die Lieferanten als auch die Beschäftigten "werden pünktlich bezahlt", heißt es.
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.
Am 31. Mai diskutiert FR-Redakteur Tobias Schwab mit Fernsehköchin Sarah Wiener und weiteren Gästen das Thema "Wer verdient am Kaffee?"
Die Schuldenkrise hat Europa im Griff: Nachrichten zur Eurokrise, Konjunktur, Eurobonds und Ratingagenturen.