Der Börsengang der Deutschen Bahn stößt auf immer stärkeren Widerstand, denn auch in den Regierungsparteien mehren sich Forderungen, ihn zu verschieben. Die Verkehrsminister der Bundesländer warnen, andernfalls werde der Staat viel Geld verschenken. In Finanzkreisen heißt es, am Donnerstag werde die Preisspanne für die B-Aktie festgesetzt.
Angesichts der Finanzkrise fordert der Verkehrsminister Sachsen-Anhalts, Karl-Heinz Daehre (CDU), rasch über einen späteren Börsengang der Bahn zu entscheiden. Man sollte über den bisher geplanten Termin am 27. Oktober nachdenken und eine Verschiebung beschließen, sagte der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz. Vor dem Treffen der Verkehrsminister in Dessau warnten auch die Ressortchefs anderer Länder vor den Bahnplänen. "Wir dürfen kein Geld verschenken. Daher bin ich für eine Verschiebung des Börsenganges auf einen günstigeren Zeitpunkt", sagte Brandenburgs Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD). Es erscheine fraglich, ob mit dem Börsengang die bestmöglichen Einnahmen erzielt werden könnten.
Hessens Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) fordert ebenfalls einen neuen Termin für die Börsenfahrt. Das Debüt der B-Aktie müsse "auf unbestimmte Zeit" verschoben werden, sagte er im Deutschlandfunk. Es gebe große Zweifel, ob die angestrebten vier bis fünf Milliarden Euro Erlös zu erzielen seien. Es wäre unverantwortlich, warnt Rhiel, wenn für Schnäppchenjäger Tafelsilber verscherbelt würde.
Aus Finanzkreisen verlautet, das Interesse an der B-Aktie sei sehr groß. 14 Banken sind am Börsengang beteiligt und hoffen auf hohe Provisionen. Der Aktienverkauf wäre der größte seit der Privatisierung der Deutschen Post. Die Bundesregierung hatte die politische Zustimmung zu der stark umstrittenen Bahnprivatisierung auch mit der Zusage erreicht, dass hohe Einnahmen erzielt und diese Erlöse zu einem Drittel in die Sanierung von Gleisen und Bahnhöfen sowie den Lärmschutz gesteckt werden. Statt erhoffter sechs bis acht Milliarden Euro droht jetzt nur ein Erlös von vier Milliarden.
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