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30. Januar 2013

Landgrabbing in Brandenburg: Spekulanten sichern sich Ackerflächen

 Von Stephan Börnecke
Brandenburger Land ist ins Visier der Anleger geraten.  Foto: dpa

Immer mehr landwirtschaftsfremde Unternehmen kaufen Boden in Brandenburg. Das sogenannte Landgrabbing durch westdeutsche und ausländische Investoren hat Folgen: Die Gewinne fließen in andere Regionen.

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Berlin/Potsdam –  

Sie produzieren Möbel, unterhalten Seniorenresidenzen, haben ihr Geld mit Konserven, mit dem Bau von Biogasanlagen oder mit dem Abwickeln von Pleitefirmen verdient. Doch seit der Finanzkrise und den stark gestiegenen Getreidepreisen wittern diese Unternehmer ein neues Geschäft: Sie investieren in ostdeutsches Land. Allein in Brandenburg beherrschen landwirtschaftsfremde Investoren inzwischen bis zu 15 Prozent des Landes, schätzt der Brandenburgische Bauernbund.

Damit finden afrikanische Verhältnisse vor den Toren Berlins statt, Landgrabbing ist keine Sache von Entwicklungsländern mehr allein. Die Übernahme des Bodens durch westdeutsche oder ausländische Kapitalgeber schafft neue Monopole: Die Nachfolgebetriebe der früheren landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften stehen mitunter nicht so golden da, wie erhofft; sie gehen oft komplett an einen Investor über.

Die Wiedereinrichter, also jene Bauern, die nach der Wende den Boden als Privatleute wieder unter den Pflug nahmen, sind wiederum oft kapitalschwach und können dem Preisdruck nicht Stand halten. Denn die Boden- und Pachtpreise im Osten klettern enorm, um 132 Prozent seit 2006, während die im Westen um nur 19 Prozent zulegten.

Die Erträge fließen woanders hin

Dass Ostdeutschland ins Visier der Anleger geraten ist, hat viele Gründe. Das Land ist trotz der Steigerungen immer noch billig im Vergleich zum Westen, der Bodenmarkt ist im Zuge der Abwicklung der DDR weiter in Bewegung, der Bodenkauf gilt als inflationssicherer Hafen. In den kommenden zwei bis vier Jahren, sagt Rainer Jung, Geschäftsführer des Bauernbunds, liefen viele der Direktkaufoptionen von Pachtland der Treuhand aus.

Damit aber scheint ein Ende des Landgrabbings nicht absehbar. Auch Sachsen-Anhalts Agrarminister Hermann Onko Aeikins (CDU) weiß: „Der Acker im Osten wird zum Spekulationsobjekt für Anleger.“ Die Folge, wie sie Jung beschreibt: Zwar beschäftigen die Agro-Firmen Menschen vor Ort, doch die Gewinne fließen in andere Regionen. Jung: „Die Wertschöpfung wird rausgesaugt.“

Schon heute, hat der Bauernbund Zahlen einer Studie der Umweltorganisation WWF von 2011 fortgeschrieben, befänden sich mehr als fünf Prozent der brandenburgischen Äcker in der Hand einer Gruppe von gerade sieben Anlegern: Firmen wie Odega, KTG Agrar (dieses Unternehmen ging mal als „Bauer geht an die Börse“ durch die Schlagzeilen), Lindhorst-Holding, Steinhoff-Holding und drei weitere beherrschen laut Bauernbund 68.000 Hektar der 1,32 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche in Brandenburg. In Märkisch Oderland kontrollierten vier Investoren fast ein Drittel des Bodens.

Die Großbauern greifen riesige EU-Subventionen ab: Allein die sieben Konsortien kommen pro Jahr auf 20 Millionen Euro aus Flächenprämien (je Hektar rund 330 Euro). Dem, so Jung, müsse die EU einen Riegel vorschieben, in dem sie Zuschüsse kappt. Ab 500 Hektar solle Schluss sein, doch die sieben untersuchten Investoren beackern zwischen 2.500 und 18 000 Hektar. Eine Forderung, die Deutscher Bauernverband und Bundesregierung verwerfen. Ihnen ist der Schutz der neuen Junker offenbar heilig.

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