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13. Februar 2013

Lebensmittel: Bauern zögern mit dem Umstieg auf Bio

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Grantiert Bio, garantiert neu: Produktschau auf der Öko-Messe Biofach.  Foto: dpa/Daniel Karmann

Obwohl der deutsche Bio-Markt weiter wächst, scheuen viele Landwirte den Umstieg. Die Erzeugung kann mit der Nachfrage nicht mehr Schritt halten. Viele Bioprodukte müssen importiert werden.

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Die Nachfrage nach biologisch erzeugten Lebensmitteln wächst weiter, doch zugleich klafft eine enorme Lücke zwischen dem Bedarf und der heimischen Bio-Produktion. Während gerade Bio-Supermärkte auf einer Woge des Erfolgs schweben und ständig neue Märkte eröffnen, haben nur noch sehr wenige Bauern den Mut, auf Bio umzusteigen.

Bio ist in Deutschland auch 2012 deutlich gewachsen. Sechs Prozent mehr Geld gaben die deutschen Haushalte für Bio-Lebensmittel und Getränke aus. Etwa die Hälfte des Zuwachses geht allerdings auf das Konto von Preissteigerungen, nur die andere Hälfte zeichnet für wachsenden Absatz. Insgesamt wurden 2012 Bioprodukte in Höhe von mehr als sieben Milliarden Euro umgesetzt, nach 6,6 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelumsatz in Deutschland erhöht sich damit nur leicht von 3,7 auf 3,9 Prozent.

Möhren aus Dänemark

Bio ist zwar kein Nischenprodukt mehr, doch die Wachstumskurve flacht sich seit 2007 ab. Frühere Zuwächse von bis zu 18 Prozent sind nur noch in einzelnen Produktgruppen erreichbar: So kauften Verbraucher im Vorjahr 18 Prozent mehr rotes Bio-Fleisch ein, acht Prozent mehr Wurst und 20 Prozent mehr Geflügel.

In seinem Jahresbericht beklagt der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft BÖLW, dass die Erzeugung von heimischen Bio-Produkten mit der Nachfrage nicht Schritt hält. Nur sehr wenige Bauern stellen noch um, unter dem Strich waren es 2012 weniger als 600. Die Anbaufläche nahm um 2,7 Prozent zu, die Bio-Ackerfläche war zuletzt sogar leicht geschrumpft. Etliche Bio-Betriebe geben auf und kehren zur konventionellen Produktion zurück – weil sie dort mehr und leichter Geld verdienen können. In Niedersachsen etwa ist die Bio-Anbaufläche zwischen 2009 und 2011 um 1500 Hektar gesunken. Folge. Es wird immer mehr importiert.

Gesundes Interesse

Messe: Die Biofach öffnet heute in Nürnberg, aber nur für Fachbesucher. Bis Sonnabend geht es um Trends, Märkte und neue Produkte.

Global: Bio ist global geworden, auch die Messe ist deshalb international: 70 Prozent der Aussteller und mehr als 40 Prozent der Besucher kommen aus dem Ausland.

21 Prozent des Weizens und der Kartoffeln stammen aus dem Import. Zwiebeln werden zu einem Drittel, Möhren und Äpfel fast zur Hälfte eingeführt. Selbst ein Drittel der Trinkmilch stammt nicht von heimischen Kühen, sondern wird aus Ländern wie Österreich oder Dänemark importiert. Die Gründe sind vielschichtig. BÖLW-Vorstand Felix zu Löwenstein macht vor allem die Konkurrenz um Pachtflächen, die aus einer unverhältnismäßigen finanziellen Förderung von Biogas entspringt, für diesen Trend verantwortlich. Bio-Bauern können Pacht- und Kaufpreise, wie sie Biogas-Landwirte bieten, nicht zahlen.

Der Europaabgeordnete der Grünen, Martin Häusling, nennt weitere Gründe: Die Preisdifferenz zwischen biologisch und konventionell erzeugten Produkten falle im Vergleich zu früheren Jahren immer geringer aus. Das höhere Anbaurisiko und eine Politik, die keine verlässlichen Zusagen zur Förderung des Öko-Landbaus mache, führten dazu, dass viele Bauern nicht mehr den Mut zur Umstellung hätten, so Häusling. Außerdem finde sich die Produktion von Biowaren auf niedrigem Niveau statt.

Ein weiterer Wachstumshemmer ist laut BÖLW, dass die Preise für Bio-Produkte die Kosten einer umwelt- und tiergerechten Produktion widerspiegeln, während konventionelle Produkte billiger sind, „weil Tiere nicht artgerecht gehalten und die Kosten der von ihr verursachten Umweltbelastung von der Allgemeinheit getragen werden“. Bio kommt also vielen Kunden als zu teuer vor, ist es aber nicht.

Trend, der sich fortsetzt

Bio-Supermärkte befinden sich ungeachtet dessen im Höhenflug: 53 Läden mit mehr als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche wurden 2012 eröffnet, ein Trend, der sich 2013 fortsetzen wird, legen die Ankündigungen der Branchenführer nahe. Insgesamt gab es Anfang 2013 damit 684 Bio-Märkte mit mehr als 200 Quadratmetern.

Die Nase vorn haben dabei mehr und mehr die etablierten Filialisten, die für 70 Prozent der neuen Läden stehen, während Inhaber geführte Geschäfte nur noch für 30 Prozent der Neueröffnungen zeichnen. Für drei Viertel des Zuwachses stehen zudem gerade drei Unternehmen: Denn’s Biomarkt aus dem nordbayerischen Töpen mit mehr als 90 Geschäften, Alnatura aus Südhessen mit rund 70 Märkten und die Berliner Bio Company mit 30 Läden. Das drückt sich auch im Umsatz aus: Bio Company steigerte den Umsatz 2012 um fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während etwa Alnatura nur auf elf Prozent kam – immer noch das Doppelte der gesamten Branche.

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