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12. April 2012

Lebensmittel: Deka gibt Zockerei mit Weizen auf

 Von Tobias Schwab
Die Deka-Bank verzichtet künftig auf Spekulation mit Agrarrohstoffen wie Weizen und Soja. Foto: Rolf Oeser

Die Deka-Bank steigt aus der Spekulation mit Grundnahrungsmitteln aus - anders als die Deutsche Bank, die sich damit noch Zeit lässt. Foodwatch meint, andere Institute müssen nun folgen.

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Die Deka-Bank steigt aus der Spekulation mit Grundnahrungsmitteln aus - anders als die Deutsche Bank, die sich damit noch Zeit lässt. Foodwatch meint, andere Institute müssen nun folgen.

Die Deka-Bank zeigt’s der Deutschen Bank. Während das größte Geldhaus hierzulande sich mit einer Prüfung weiter Zeit lässt, steigt die Deka aus der Spekulation mit Grundnahrungsmitteln aus. In einem Brief an die Verbraucherorganisation Foodwatch kündigte die Fondsgesellschaft der Sparkassen-Finanzgruppe an, die im Fonds Deka-Commodities angebotenen Wetten auf Agrarrohstoffe wie Weizen und Soja bis Jahresende aus dem Portfolio zu streichen.

Foodwatch hatte die deutschen Banken im Oktober vergangenen Jahres aufgerufen, sich aus der Spekulation mit Grundnahrungsmitteln zurückzuziehen. Die Verbraucher-Lobby präsentierte dazu die Studie „Die Hungermacher“ – mit Belegen, dass solche Wetten die Preise für Lebensmittel treiben und in armen Ländern Hunger verursachen.

Foodwatch: Zockerei zulasten der Ärmsten einstellen

Die Deka-Bank begründete ihren Ausstieg nun damit, dass sie zwar die Effekte ihrer Anlagen auf Nahrungspreise nicht als „hinreichend und abschließend belegt“ sieht, es aber auch „keine eindeutige Entwarnung“ gebe, wie es in dem Brief an Foodwatch heißt, der dieser Zeitung vorliegt.

Die Deka-Bank wende damit „das Vorsorgeprinzip an, das auch anderen Banken als Maßstab dienen sollte“, lobte Foodwatch-Chef Thilo Bode die Entscheidung des Instituts. Angesichts vieler Hinweise auf die Schädlichkeit ihrer Nahrungsmittel-Wetten sollten auch andere Institute diese Anlagen aufgeben, solange sie deren Unschädlichkeit nicht beweisen könnten.

Seine Forderung adressierte Foodwatch am Mittwoch ausdrücklich an die Landesbanken und Union Investment, die Fondsgesellschaft der Volks-, Raiffeisen- und Sparda-Banken. Auch sie sollten dem Beispiel der Deka-Bank folgen „und auf die Zockerei zulasten der Ärmsten verzichten“.

Die lange Ausstiegsfrist der Deka ergibt sich nach eigenen Angaben aus dem Umbau des Rohstoff-Fonds, der voraussichtlich erst zum Jahresende abgeschlossen werden könne. Künftig werde dann weder die Deka-Bank noch eine ihrer Tochtergesellschaften „Instrumente zur Investition in oder zum Handel mit Agrarrohstoffen anbieten“, versichert das Geldhaus.

Deka ist noch nicht völlig sauber

Völlig clean ist die Deka damit nach Ansicht von Foodwatch aber nicht. Der Ausstieg aus der Spekulation umfasse nur die eigenen Fonds-Produkte. Rohstoff-Fonds anderer Banken jedoch wolle die Deka weiter vertreiben. Auch von der Ölpreis-Spekulation wolle das Institut nicht lassen. Der Ölpreis aber habe über die Kosten für Agrardiesel und Mineraldünger direkten Einfluss auf die Nahrungsmittelpreise.

Dennoch ist die Deka-Bank mit ihrer aktuellen Entscheidung der Deutschen Bank nun einen großen Schritt voraus. Foodwatch war das größte deutsche Investmenthaus im Oktober mit der Kampagne „Hände weg vom Acker, Mann!“ frontal angegangen und hatte von Vorstandschef Josef Ackermann ein Ende der Spekulation gefordert. Das Institut erklärte mittlerweile, die Auswirkungen seiner Anlagen auf Nahrungsmittelpreise zu prüfen und bis Ende des Jahres einen Bericht vorzulegen. „Während die Bank prüft, sterben Menschen“, kommentierte Bode die Ankündigung. Solange die Deutsche Bank sich selbst nicht sicher sei, dass ihre Produkte unschädlich sind, „kann es nur eine richtige Konsequenz geben: Aussteigen!“

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