Die Zahl von Lebensmitteln, die Spuren oder sogar deklarierungspflichtige Anteile gentechnisch veränderter Organismen enthält, steigt. Sogar illegale Rohstoffe wie in der EU nicht zugelassener Reis entdecken die Kontrolleure. Gleichzeitig hat Greenpeace herausgefunden, dass auch konventionelles Maissaatgut bisweilen mit Gen-Mais kontaminiert ist. Die Umweltaktivisten sprechen bereits von einer schleichenden Verunreinigung deutscher Äcker. Danach seien von 438 in Deutschland untersuchten herkömmlichen Maissaat-Proben neun unzulässigerweise mit Gen-Mais verseucht gewesen, vier davon sogar mit Mais-Linien Bt 11 und Herculex, die in Europa keine Zulassung haben. Die betroffenen Bauern mussten die Pflanzen vernichten.
Während die im Saatgut entdeckten Verunreinigungen einen noch sehr kleinen Anteil von maximal 0,16 Prozent ausmachen, haben einige der von den Behörden 2007 überprüften Lebensmittel manchmal einen Gen-Soja-Anteil, der sogar bei 100 Prozent liegen kann. Zwar handelte es sich dabei um in der EU für den Import und die Verwendung in Lebensmitteln zugelassenes Soja. Doch auf den Packungen fand sich keinerlei Hinweis auf Gen-Soja. Und das, obwohl bereits Verunreinigungen von mehr als 0,9 Prozent, in den meisten Fällen sogar auch unterhalb dieser Marge, auf der Produktpackung deutlich vermerkt werden müssen.
Eine Übersicht des Informationsbüros Transgen, das unter dem Dach der Verbraucherinitiative agiert, zeigt: Nachdem die Lebensmittelüberwachungsbehörden über Jahre hinweg einen kontinuierlichen Rückgang der verunreinigten Lebensmittel, ob Fertigsuppen, Snacks oder Reisgerichte verzeichneten, zeigen die Jahresberichte der Länder für 2007 wieder einen leichten Anstieg. Zwischen einem Viertel und der Hälfte der Proben enthielten Gen-Soja und damit fast immer deutlich mehr als in den vergangenen Jahren.
Beispiel Bayern, wo die Lebensmitteltester 2007 hauptsächlich Sportler- und Säuglingsnahrung, Tofu und Sojamilchprodukte untersuchten. Auf der Packung: Kein Hinweis auf Gen-Soja. Im Labor aber zeigte sich: In 43 Prozent (122 von 283 Fällen) dieser Lebensmittel fanden die Kontrolleure gentechnisch veränderte Bestandteile, zwei davon, ein Fitness- Drink sowie Soja-Tortellini, lagen deutlich über der Kennzeichnungsschwelle.
Dass es dabei nicht um Marginalien geht, zeigen zwei Beispiele aus Hessen und Niedersachsen: Die hessischen Tester orteten im Jahr 2007 neunmal (Vorjahr: null!) Verstöße gegen die Kennzeichnungspflicht: In den Gemüsecremesuppen sowie in einer Tütensuppe auf Basis von "Weizengrütze mit rotem Linsenmehl" aus der Türkei hatten gentechnisch veränderte Organismen im Soja einen Anteil von mehr als zehn Prozent. Die Verwendung blieb nicht ohne Folgen: Die Überwachungsbehörden ordneten einen Rückruf der Suppen an. Anschließend, so der Referatsleiter Lebensmittelüberwachung im Umweltministerium, Alexander Becht, ließ der Hersteller freiwillig 954 Tütensuppen unter behördlicher Aufsicht vernichten.
Oder Niedersachsen: Sechsmal verstießen die Firmen gegen die Deklarierungspflicht. Dabei hatte der deutsche Hersteller eines "Knabbergebäcks auf Weizenbasis mit Schinkenaroma" es geduldet, dass sein eingerührtes Soja zu 61 Prozent von Gen-Feldern stammte. Die "Instant-Nudelsuppe mit Hühneraroma" eines asiatischen Produzenten war sogar zu 100 Prozent aus Gen-Soja gemixt worden. Jeder Hinweis darauf fehlte.
Während vier Reisprodukte, darunter US-Langkornreis sowie Reisnudeln, sofort aus dem Verkehr gezogen wurden (Gen-Reis ist in der EU generell untersagt), kamen die Hersteller respektive Importeure der Soja-Produkte glimpflich mit einer Beanstandung davon.
Dass die Kontrolleure in Niedersachsen 2007 noch illegalen Gen-Reis entdeckten, verwundert allerdings: Der Reis-Skandal mit unerlaubten Importen aus den USA lag zu diesem Zeitpunkt schon ein Jahr zurück. Auch in Hessen war noch ein Jahr später der illegale Reis entdeckt worden - allerdings nur in einer Probe und dort wiederum mit einem äußerst geringen Anteil von 0,05 Prozent.
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