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Lebensmittel: Immer weniger Gentechnik

Die jahrelange Kritik von Verbraucherschützern hat offenbar Erfolg: Die Zahl der Lebensmittelproben, in denen die Behörden Spuren von Gen-Soja oder Gen-Mais finden, nimmt ab. Von Stephan Börnecke

Die Kritik wirkt offenbar: In Lebensmitteln finden sich weniger Spuren von Gen-Mais.
Die Kritik wirkt offenbar: In Lebensmitteln finden sich weniger Spuren von Gen-Mais.
Foto: dpa

Nicht nur in Saatgut, sondern auch in Lebensmitteln finden die deutschen Behörden immer wieder Spuren von gentechnisch veränderten Organismen. Langjährige Untersuchungsreihen der Länder zeigen, dass etwa jede dritte bis vierte Probe von Lebensmitteln, die Soja enthalten, auch in geringem Maße Gen-Soja vorhanden ist. Die Tendenz aber ist fallend.

Denn die Tests zeigen auch: Die Zahl der Proben, in denen Gen-Soja oder Gen-Mais nachgewiesen wird, sinkt. Die Gehalte der gentechnisch veränderten Lebensmittel liegen im Gegensatz zu früheren Jahren fast immer unter jener Schwelle von 0,9 Prozent, von der an eine Kennzeichnung in jedem Fall notwendig ist.

Die Lebensmittel-Firmen also achten peinlichst darauf, dass Gentechnik allenfalls in Spuren enthalten ist. Lebensmittel, in denen von vornherein Gen-Soja oder Gen-Mais verwendet wurde. Die Ländergebnisse decken sich weitgehend, allerdings liegen aktuelle Zahlen für 2008 nur für drei Bundesländer vor.

Unterschiedliche Ergebnisse

Die dreistesten Mogel-Lebensmittel

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Die Proben aus Baden-Württemberg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, belegen, dass die Laboranten in sehr unterschiedlichem Maße fündig werden: Im Ländle untersuchten die Analytiker 2008 insgesamt 661 Proben auf gentechnische Organismen. In 71 Proben fanden sie Spuren, das sind elf Prozent. In den Vorjahren lagen die Beanstandungen aber noch bei 13 Prozent (2007), und 17 Prozent waren es in 2006. Wurden 2003 noch 11 Produkte gefunden, in denen unzulässig hohe, weil nicht deklarierte Gen-Soja-Bestandteile entdeckt wurden, war es in 2008 nur noch ein Produkt.

Der Trend bestätigt sich an der Küste: In Mecklenburg-Vorpommern hatten die Tester 2007 noch in jedem dritten Soja-Produkt auch Gen-Soja entdeckt, im vergangenen Jahr war das nur in jedem sechsten Lebensmittel der Fall. Mais-Lebensmittel gar waren völlig frei von Gentechnik. Fast völlig ohne Gentechnik scheint es sich in Sachsen zu leben: In nur vier von 234 Soja-Proben fanden die Lebensmittelprüfer noch Spuren der Gentechnik. Im Vergleich: 2001 waren sie in nur 167 Proben gleich 57 Male fündig geworden, im Jahr danach waren sogar zehn Proben darunter.

Anzeige gegen unbekannt

Trotz des Verbots der Aussaat des Gen-Mais Mon 810, das Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner im April erließ, entdeckten die Landwirtschaftsbehörden aber in diesem Frühjahr in zwölf von 367 untersuchten Saatgutproben gentechnische Verunreinigungen, das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor. Der Anteil der beanstandeten Proben liegt bei 3,3 Prozent. Die absolute Zahl der positiven Befunde sei in den ersten sieben Monaten des Jahres 2009 schon drei Mal so hoch wie in den kompletten Vorjahren. Weil dieser Mais zum Teil auch ausgesät und aufwachsen durfte, hatten Bioland, BUND, Demeter und NABU bei der Staatanwaltschaft Stuttgart eine Anzeige gegen Unbekannt wegen nicht genehmigter Freisetzung von gentechnisch veränderten Maispflanzen eingereicht.

Bei ihrer Anzeige stützen sich die Verbände auf ein rechtswissenschaftliches Gutachten, aus dem hervorgeht, dass bereits der Aufwuchs geringer Spuren illegaler Maissorten eine Straftat darstellt. Um Schäden an Mensch und Umwelt zu vermeiden, fordern die Verbände, die verunreinigten Maisbestände unverzüglich zu ernten und zu vernichten. Auf mindestens 170 Hektar haben Landwirte in den Landkreisen Emmendingen, Ortenau, Karlsruhe und Rhein-Neckar-Kreis in diesem Frühjahr irrtümlich Mais mit Anteilen der gentechnisch veränderten Maissorten NK 603 sowie MON 810 der Firma Monsanto ausgesät. Dieses Saatgut ist geringfügig mit einer der beiden Maissorten verunreinigt.

Grüne kritisieren Bundesregierung

Die Maissorte NK 603 ist nach europäischem Recht für den Anbau nicht zugelassen. Somit stellt der Aufwuchs dieser Maisbestände, die derzeit zur Blüte kommen, eine nicht genehmigte Freisetzung dar. Gleiches gilt für die Maissorte Mon810, deren Anbau seit dem 17. April 2009 in Deutschland verboten ist.

Die Grünen-Agrarexpertin Ulrike Höfken machte das Fehlen konkreter Schutzbestimmungen für die Maschinenreinigung, Lagerung und Transport als häufigste Ursache für die Verunreinigungen aus. Hier liege ein fatales Versäumnis der Bundesregierung vor, sagte sie der Frankfurter Rundschau. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurden die beanstandeten Tranchen zwar meist vor der Aussaat vom Markt genommen. Dies gelinge jedoch nicht immer, heißt es einschränkend in der Antwort. 2007 und 2008 sei verunreinigtes Saatgut auf einer Fläche von insgesamt 1700 Hektar ausgebracht worden - neben Mais auch Raps. Die Felder wurden umgepflügt. Für 2009 gebe es noch keine Zahlen über die Flächen.

Autor:  Stephan Börnecke
Datum:  14 | 8 | 2009
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