Die jahrelange Kritik von Verbraucherschützern hat offenbar Erfolg: Die Zahl der Lebensmittelproben, in denen die Behörden Spuren von Gen-Soja oder Gen-Mais finden, nimmt ab. Von Stephan Börnecke
Die Kritik wirkt offenbar: In Lebensmitteln finden sich weniger Spuren von Gen-Mais.
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Die Kritik wirkt offenbar: In Lebensmitteln finden sich weniger Spuren von Gen-Mais.
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Nicht nur in Saatgut, sondern auch in Lebensmitteln finden die deutschen Behörden immer wieder Spuren von gentechnisch veränderten Organismen. Langjährige Untersuchungsreihen der Länder zeigen, dass etwa jede dritte bis vierte Probe von Lebensmitteln, die Soja enthalten, auch in geringem Maße Gen-Soja vorhanden ist. Die Tendenz aber ist fallend.
Denn die Tests zeigen auch: Die Zahl der Proben, in denen Gen-Soja oder Gen-Mais nachgewiesen wird, sinkt. Die Gehalte der gentechnisch veränderten Lebensmittel liegen im Gegensatz zu früheren Jahren fast immer unter jener Schwelle von 0,9 Prozent, von der an eine Kennzeichnung in jedem Fall notwendig ist.
Die Lebensmittel-Firmen also achten peinlichst darauf, dass Gentechnik allenfalls in Spuren enthalten ist. Lebensmittel, in denen von vornherein Gen-Soja oder Gen-Mais verwendet wurde. Die Ländergebnisse decken sich weitgehend, allerdings liegen aktuelle Zahlen für 2008 nur für drei Bundesländer vor.
Unterschiedliche Ergebnisse
Die dreistesten Mogel-Lebensmittel
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Die dreistesten Mogel-Lebensmittel
Glaubt man dem Hersteller Nestlé, bieten Fitness Fruits eine "leichte" und "ausgewogene" Ernährung, die zur "Wunschfigur" verhilft. Tatsächlich bestehen die Frühstücksflocken zu einem Drittel aus Zucker und machen auf Dauer eher dick als fit.
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Die Firma "Deutsche Sisi-Werke" lässt nichts unversucht, um ihr zuckersüßes Getränk "Capri Sonne" an die jungen Konsumenten zu bringen. Sie ließ zum Beispiel Unterrichtsmaterialien über Ernährung und Bewegung an Schulen verteilen. Außerdem organisierte sie in den Jahren 2007 bis 2009 Feriencamps auf Lanzarote, wo die Kinder nach Recherchen von Foodwatch ständig von Werbung für "Capri Sonne" umgeben waren und sogar selbst als Werbeträger für das aromatisierte Kindergetränk missbraucht wurden.
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Laut Danone ist Actimel ein besonderer Joghurt-Drink, der das Immun-System "aktiviert" und "wetterfest" macht. Tatsächlich "aktiviert" Actimel das Immunsystem nicht mehr als herkömmliche Naturjoghurts, ist aber viermal so teuer und enthält doppelt so viel Zucker. Wissenschaftliche Belege für den Schutz vor Erkältungen gibt es nicht.
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Der Gelbe Zitrone Physalis von Pfanner präsentiert sich als perfekter Wellness-Drink: mit leuchtenden Physalis auf der Packung und dem hochwertigen gelben Tee im Namen. In Wirklichkeit enthält der Drink so wenig von der köstlichen Frucht, dass sie noch nicht einmal als Inhaltsstoff deklariert werden muss, und der gelbe Tee macht gerade mal 15 Prozent der Flüssigkeit aus. Der Rest sind viele Aromastoff und insgesamt 44 Stücke Würfelzucker auf zwei Liter.
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"Enthält Schokolade mit 75 Prozent Kakao" verspricht Dr. Oetker auf seinem Schoko-Pudding Pur Crema Choc. Das ist nicht gelogen. Nur leider enthält das Dessert insgesamt nur 2,5 Prozent Schokolade - was einem Kakaoanteil von ganzen 1,875 Prozent.
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Das Bertolli Pesto Verde von Unilever nach "original italienischer Rezeptur" enthält angeblich nur "beste Zutaten" wie "feinstes Bertolli Olivenöl" und Pinienkerne. Tatsächlich ist nur ein Fingerhut Olivenöl drin und kaukm Pinienkerne. Stattdessen werden vor allem Billigzutaten wie "pflanzliches Öl", Cashewnüsse und Aromastoffe eingesetzt.
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Lecker sieht er aus, der Philadelphia alla Pesto verde & Tomate, mit den frischen Zutaten auf der Verpackung und dem Versprechen von "sonnengereiften Tomaten". Die sind tatsächlich drin - genau 0,4 Prozent der Frischkäsezubereitung machen sie aus. Statt Pesto enthält das Produkt aus dem Hause Kraft eine Basilikum-Schmelzkäse-Mischung - und jede Menge Zusatzstoffe.
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"Schmeckt leicht, belastet nicht" bewirbt Ferroro seine Milchschnitte - und drückt die "ideale" Zwischenmahlzeit gerne werbewirksam prominenten Sportlern in die Hand. In Wahrheit besteht das Schnittchen zu 60 Prozent aus Fett und Zucker - und haut damit mehr rein als manche Schoko-Sahnetorte.
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Rama Cremefine will mit 11 Prozent weniger Fett als herkömmliche Schlagsahne ein Produkt für die "leichte Küche" sein. Dabei enthält das künstliche Lebensmittel viele gesättigte Fettsäuren - "schlechtes Fett" wie Rama selbst es nennt. Und kostet dabei noch doppelt so viel wie normale Schlagsahne.
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Wasabi Erdnüsse von The Lorenz Bahlsen Snack-World. Was fehlt: Wasabi (japanischer Meerrettich). Als Ersatz werden minderwertige Zutaten für den Geschmack verwendet - etwa Spirulina-Konzentrat (Algenkonzentrat), Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff.
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Bei den Mini Keks Bolden "Schoko" (Hersteller: Biscuits Delacre) vermissen wir die Schokoladenfüllung im Keks. Stattdessen müssen wir billigen Ersatz essen - Kakaocremefüllung mit Schokoladenimitat, unter anderem aus fettarmem Kakaopulver (3,7%), Zucker und gehärtetem Pflanzenfett hergestellt (Verpackung von 2009).
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Beim Combi Weiß in Salzlake, 50 Prozent Fett, (Hersteller: Efe Firat Feinkost) fehlt echter Schafskäse aus Schafsmilch. Stattdessen findet sich in der Dose billiger Ersatz durch Analogkäse, der wie Schafskäse aussieht. Er enthält billiges Pflanzenfett statt Milchfett und Magermilch aus Kuhmilch statt Schafsmilch. Restaurants und Imbissbuden verwenden dieses Käseimitat gerne - und verkaufen es als Schafskäse.
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Bei der Surimi-Garnele (loser Verkauf) handelt es sich um gepresstes Fischeiweiß in Garnelenform. Es gibt täuschend echte Garnelenimitate, in denen Fischeiweiß steckt, das nicht anders verwertbar ist. Zudem Geschmacksverstärker, Aromen, Farbstoffe und Hühnereiweiß. Guten Appetit!
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Hier zum Vergleich eine echte Garnele. Das Imitat wird immer wieder in Imbissen als "Surimi Garnele, gefangen" bezeichnet, was den Eindruck erwecken soll, es handele sich um echte Garnelen.
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Der Meeresfrüchte Cocktail mit Krebsfleischimitat (Einkauf bei Kaufhof). Für 40 Euro das Kilo erwarten wir 100 Prozent Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen oder Tintenfische. Stattdessen wird das Produkt mit billigem Surimi (Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß) gestreckt.
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Beim Du darfst Putensalat mit Joghurtdressing (Hersteller: Unilever Deutschland) bekommen wir nicht etwa 100 Prozent Putenfleisch. Stattdessen serviert uns der Hersteller zusammengefügte Fleischreste. Zum gewachsenem Putenfleisch kommen Form-Putenfleisch und das noch billigere Form-Hähnchenfleisch.
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Im Fol Epi Nuss von Fromageries Rambol gibt es statt 100 Prozent Käse billigen Schmelzkäse. Die sogenannte Schmelzkäsezubereitung besteht nur zu 65 Prozent aus Käse, ist mit Zusatzstoffen wie Schmelzsalzen (E452, E339: Phosphate) und Aromen versetzt - was bei Käse nicht erlaubt ist. Die Scheiben aus Schmelzkäse sind leicht mit echtem Schnittkäse verwechselbar.
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Im Mucci Vanilleeis (Aldi Nord) muss der Verbraucher echte Vanille und 100 Prozent Milchfett vermissen. Stattdessen billiger Ersatz durch überwiegend synthetisches Vanillin und Kokosfett, wie die Stiftung Warentest ermittelt hat.
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Die Hähnchenschnitten Wiener Art von Vossko-Tiefkühlkost enthalten keine Hähnchenschnitzel aus einem Stück gewachsenem Fleisch. Stattdessen wird billiger Ersatz durch Verschnitt von kleinen Stücken aus Hähnchen- und Putenfleisch verkauft.
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Wer bei den Bio-Vollkorn-Toastbrötchen (Hersteller: Proback, Aldi Nord) denkt, hier handelt es sich um Vollkorntoast-Brötchen aus Vollkornmehl, irrt. Statt 90 Prozent Vollkornmehl im Mehlanteil wie in den Leitsätzen für Brot und Kleingebäck verlangt sind im Produkt nur 60 Prozent enthalten. Gestreckt wird mit Weizenmehl, gefärbt mit Gerstenmalzsirup.
Foto: Verbraucherzentrale Hamburg
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Was liegt auf Ihrem Teller - Original oder Fälschung? Das ist, wie hier bei Garnelen, nicht immer leicht zu erkennen. Lebensmittelkonzerne nutzen das aus. Sehen Sie die größten Mogel-Lebensmittel - zusammengestellt von der Verbraucherzentrale Hamburg und von Foodwatch.
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Kraus
Fotostrecken Wirtschaft
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Die Proben aus Baden-Württemberg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, belegen, dass die Laboranten in sehr unterschiedlichem Maße fündig werden: Im Ländle untersuchten die Analytiker 2008 insgesamt 661 Proben auf gentechnische Organismen. In 71 Proben fanden sie Spuren, das sind elf Prozent. In den Vorjahren lagen die Beanstandungen aber noch bei 13 Prozent (2007), und 17 Prozent waren es in 2006. Wurden 2003 noch 11 Produkte gefunden, in denen unzulässig hohe, weil nicht deklarierte Gen-Soja-Bestandteile entdeckt wurden, war es in 2008 nur noch ein Produkt.
Der Trend bestätigt sich an der Küste: In Mecklenburg-Vorpommern hatten die Tester 2007 noch in jedem dritten Soja-Produkt auch Gen-Soja entdeckt, im vergangenen Jahr war das nur in jedem sechsten Lebensmittel der Fall. Mais-Lebensmittel gar waren völlig frei von Gentechnik. Fast völlig ohne Gentechnik scheint es sich in Sachsen zu leben: In nur vier von 234 Soja-Proben fanden die Lebensmittelprüfer noch Spuren der Gentechnik. Im Vergleich: 2001 waren sie in nur 167 Proben gleich 57 Male fündig geworden, im Jahr danach waren sogar zehn Proben darunter.
Trotz des Verbots der Aussaat des Gen-Mais Mon 810, das Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner im April erließ, entdeckten die Landwirtschaftsbehörden aber in diesem Frühjahr in zwölf von 367 untersuchten Saatgutproben gentechnische Verunreinigungen, das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen hervor. Der Anteil der beanstandeten Proben liegt bei 3,3 Prozent. Die absolute Zahl der positiven Befunde sei in den ersten sieben Monaten des Jahres 2009 schon drei Mal so hoch wie in den kompletten Vorjahren. Weil dieser Mais zum Teil auch ausgesät und aufwachsen durfte, hatten Bioland, BUND, Demeter und NABU bei der Staatanwaltschaft Stuttgart eine Anzeige gegen Unbekannt wegen nicht genehmigter Freisetzung von gentechnisch veränderten Maispflanzen eingereicht.
Bei ihrer Anzeige stützen sich die Verbände auf ein rechtswissenschaftliches Gutachten, aus dem hervorgeht, dass bereits der Aufwuchs geringer Spuren illegaler Maissorten eine Straftat darstellt. Um Schäden an Mensch und Umwelt zu vermeiden, fordern die Verbände, die verunreinigten Maisbestände unverzüglich zu ernten und zu vernichten. Auf mindestens 170 Hektar haben Landwirte in den Landkreisen Emmendingen, Ortenau, Karlsruhe und Rhein-Neckar-Kreis in diesem Frühjahr irrtümlich Mais mit Anteilen der gentechnisch veränderten Maissorten NK 603 sowie MON 810 der Firma Monsanto ausgesät. Dieses Saatgut ist geringfügig mit einer der beiden Maissorten verunreinigt.
Grüne kritisieren Bundesregierung
Die Maissorte NK 603 ist nach europäischem Recht für den Anbau nicht zugelassen. Somit stellt der Aufwuchs dieser Maisbestände, die derzeit zur Blüte kommen, eine nicht genehmigte Freisetzung dar. Gleiches gilt für die Maissorte Mon810, deren Anbau seit dem 17. April 2009 in Deutschland verboten ist.
Die Grünen-Agrarexpertin Ulrike Höfken machte das Fehlen konkreter Schutzbestimmungen für die Maschinenreinigung, Lagerung und Transport als häufigste Ursache für die Verunreinigungen aus. Hier liege ein fatales Versäumnis der Bundesregierung vor, sagte sie der Frankfurter Rundschau. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums wurden die beanstandeten Tranchen zwar meist vor der Aussaat vom Markt genommen. Dies gelinge jedoch nicht immer, heißt es einschränkend in der Antwort. 2007 und 2008 sei verunreinigtes Saatgut auf einer Fläche von insgesamt 1700 Hektar ausgebracht worden - neben Mais auch Raps. Die Felder wurden umgepflügt. Für 2009 gebe es noch keine Zahlen über die Flächen.