Aktuell: Flüchtlinge in Deutschland und Europa | Türkei | US-Wahl | FR-Serie: Fintechs
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Wirtschaft
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse, Finanz-Themen

18. Januar 2013

Lebensmittelpreise: Lebensmittel werden spürbar teurer

 Von 
Gereift: Seit 2005 ging der Preis für Schnittkäse um 19,6 Prozent nach oben.  Foto: dpa/Jens Büttner

2012 sind die Preise für Fleisch, Fisch und Gemüse stärker als die Inflationsrate gestiegen. Auch 2013 erwarten Experten eine spürbare Verteuerung von Lebensmitteln.

Drucken per Mail

Für Lebensmittel werden Verbraucher in diesem Jahr wohl erneut deutlich tiefer in den Geldbeutel greifen müssen. „Wir erwarten auch in 2013 eine spürbare Verteuerung von Lebensmitteln“, sagte der Volkswirt des Einzelhandelsverbandes HDE, Olaf Roik, am Donnerstag dieser Zeitung. Allerdings werde der Preisanstieg in diesem Jahr vermutlich niedriger ausfallen als im vergangenen Jahr. 2012 waren die Lebensmittelpreise um 3,2 Prozent gestiegen. Auch die Ernährungsindustrie und die Landwirte erwarten höhere Preise.

Butter wurde billiger

Vor der heute beginnenden Grüne Woche sind die Lebensmittelpreise das bestimmende Thema. 2012 lag die Preissteigerung für Fleisch, Fisch und Gemüse über der Inflationsrate. Galten Lebensmittel in Deutschland lange Zeit als Teuerungshemmer, so sind sie in den vergangenen Jahren zu einem Teuerungstreiber geworden. „Lebensmittel sind in den vergangenen fünf bis sieben Jahren spürbar teurer geworden“, sagt HDE-Volkswirt Roik.

Deutlich teurer wurden im vergangenen Jahr besonders Fleisch und Fleischwaren mit einem Plus von 5,4 Prozent, gefolgt von Fisch und Fischwaren, Obst und Süßwaren. Preiserhöhungen gab es auch bei Kaffee, Kakao und Tee (+ 3,9 Prozent). Butter wurde dagegen 13,1 Prozent billiger.

Eine Vielzahl von Faktoren von der Herstellung bis in den Verkauf verteuern die Lebensmittel. Die Preise für die 13 wichtigsten Rohstoffe für die Lebensmittelproduktion, wozu zum Beispiel Weizen und Zucker gehören, sind im vergangenen Jahr nach Angaben des Bundesverbands der Ernährungsindustrie um 2,4 Prozent gestiegen. Die Agrarrohstoffe machten im Durchschnitt rund 40 Prozent der Produktionskosten aus. Die weltweit steigende Nachfrage wird somit auch hierzulande spürbar. Zudem steigen die Energiekosten und die Löhne.

Lebensmittel aus Deutschland sind in der EU gefragt

Während sich die Hersteller viele Jahre lang schwer taten, Kostensteigerungen an den Einzelhandel weiterzugeben, scheint das nun besser zu gelingen. Die starke Nachfrage auch aus dem Ausland bricht zumindest ein Stück weit die Einkaufsmacht großer Händler.

Lebensmittel aus Deutschland seien in der EU und zunehmend darüber hinaus gefragt, sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied. Der Wert der exportierten Agrarprodukte wuchs von Januar bis Oktober 2012 um 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und erreichte mit 58,6 Milliarden Euro einen weiteren Rekordwert. Zu den wichtigsten Ausfuhrgütern gehörten demnach Fleischwaren sowie Molkereiprodukte.

Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat allerdings Recht, wenn sie darauf hinweist, dass die Lebensmittelpreise in Deutschland noch immer zu den niedrigsten in Europa gehören. Die deutschen Haushalte verwenden nach den derzeit verfügbaren Daten aus dem Jahr 2010 im Durchschnitt rund ein Siebtel ihrer Konsumausgaben für Lebensmittel. Daran hat sich seit 2003 kaum etwas geändert.

Steigende Lebensmittelpreise sind vor allem für Menschen mit kleinem Einkommen ein Problem. Sie geben einen größeren Teil ihres Haushaltsbudgets für Lebensmittel aus und bekommen Preissteigerungen deshalb stärker zu spüren. Ein Anstieg der Preise für Lebensmittel wirkt sich in den Budgets zudem generell stärker aus als ein Preisplus zum Beispiel bei Elektrogeräten. Denn Milch und Brot werden häufiger gekauft als zum Beispiel ein neuer Fernseher. Diese sogenannte „gefühlte Inflation“ wird aber in der amtlichen Statistik nicht ausgewiesen.

Höhere Preise für Lebensmittel werden den Verbrauchern aber nicht nur aufgezwungen. Sie sind laut Umfragen auch bereit, wieder etwas mehr Geld für Lebensmittel auszugeben, wenn sie dafür im Gegenzug bessere Qualität erhalten. Auch Regionalität, Gesundheitsaspekte, Bio, Nachhaltigkeit und eine schnelle und einfach Zubereitung spielen eine immer wichtigere Rolle. Dafür zahlen Verbraucher mehr.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.

Arbeitswelt

Schuften bis zum Umfallen

Von  |

Die Bundesbank empfiehlt eine unsinnige Rentenpolitik Mehr...

Finanzanlage

Mit Geld die Welt verändern

Investitionen in Projekte, die anders wirtschaften Mehr...

FRAX

Die Frankfurter Rundschau und das Forschungsinstitut Wifor präsentieren den FR-Arbeitsmarktindex, kurz FRAX. Er erlaubt einen genaueren Blick auf unsere Arbeitswelt als es die Arbeitslosen- und Beschäftigtenzahlen tun.

Videonachrichten Wirtschaft

Anzeige

Forum Entwicklung

Recht auf Arbeit – auch für Kinder?

Das Forum Entwicklung ist eine Debattenreihe von Frankfurter Rundschau, hr-iNFO und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).  

Weltweit arbeiten rund 150 Millionen Kinder – oft unter ausbeuterischen Bedingungen auf Plantagen, in der Teppichproduktion oder als Dienstmädchen. Darum geht es beim „Forum Entwicklung“ am Donnerstag, 23, April. Mehr...

Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen