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22. Februar 2013

Lebensversicherung: "Wir Versicherer sind vorsichtig"

Die Lebensversicherung ist das beliebteste Altersvorsorgeprodukt der Deutschen.  Foto: dpa

Wie funktioniert eigentlich die Lebensversicherung? Und warum ist das Produkt trotz der aktuellen Mini-Zinsen noch attraktiv? Einer, der es wissen muss, gibt Antworten: Ergo-Vorstand Johannes Lörper.

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Wie funktioniert eigentlich die Lebensversicherung? Und warum ist das Produkt trotz der aktuellen Mini-Zinsen noch attraktiv? Einer, der es wissen muss, gibt Antworten: Ergo-Vorstand Johannes Lörper.

Die Lebensversicherung ist mit weitem Abstand das wichtigste Produkt der privaten Altersvorsorge in Deutschland. Rund 90 Millionen Verträge, rund 750 Milliarden Euro verwalten die Gesellschaften. So beliebt das Produkt ist, so umstritten, intransparent und schwer verständlich ist es zugleich. Am Dienstag stehen zwei wesentliche Gesetzesänderungen im Vermittlungsausschuss auf dem Programm. Worum geht es dabei, wie funktioniert eigentlich die Lebensversicherung und welche Philosophie steckt hinter dem Kollektivgedanken? Befragt haben wir einen, der es wissen muss: Den Vorsitzenden der Deutschen Aktuarsvereinigung, Johannes Lörper. Aktuare sind das Gehirn der Versicherer. Sie sind mathematisch ausgebildete Sachverständige, die die Risiken bewerten und einzuschätzen müssen, etwa Versicherungsrisiken, Anlagerisiken und Liquiditätsrisiken. Sie legen fest, welche Ausschüttungen vertretbar sind und wie viel Geld in die Reservetöpfe gepackt werden muss. Sein Geld verdient Johannes Lörper als Vorstandsmitglied der Ergo Lebensversicherung .


Herr Lörper, würden Sie heute für sich noch eine Lebensversicherung abschließen?
Ja, wobei klar sein muss, dass die Renditen der Vergangenheit in naher Zukunft nicht mehr zu erzielen sind. Aber für langfristige Sparprozesse, für die Altersvorsorge, ist die Lebensversicherung gut geeignet. Sie erwirtschaftet weiterhin positive reale Renditen – und darauf kommt es an. Nicht nur die Renditen sind geringer als früher, die Inflation ist es ja auch.


Sind Sie nicht zweckoptimistisch? Steuert die Branche insgesamt wegen der Niedrigzinsphase nicht auf ein systemisches Problem zu, das zu Pleiten führen kann?
Das muss man realistisch betrachten. Die Lebensversicherer halten natürlich die Niedrigzinsphase nicht noch weitere 50 Jahre aus. Doch die Finanzaufsicht hat sich das angeschaut: Auf die nächsten zehn, zwölf Jahre sehe ich eigentlich keine Gefährdung.

Sie sehnen sich also nach Inflation?

Nein, so nun wieder nicht. Eine höhere Inflation würde zwar dazu führen, dass wir unserer wirtschaftlichen Probleme ledig würden, aber ein zu starker Zinsanstieg wäre nicht schön, weil die höheren Zinsen den Kunden nicht sofort zu gute kämen.


Warum denn nicht?
Das liegt an unserem System, das sehr langfristig ausgerichtet ist. Wir kaufen mit dem eingezahlten Geld unserer Kunden lang laufende Anleihen und halten diese in der Regel bis zum Ende der Laufzeit. Weil wir derzeit noch viele alte, höher rentierliche Papiere in den Beständen haben, können wir die Niedrigzinsphase gut überstehen. Schauen Sie, wie sonst sollte es uns gelingen, eine laufende Verzinsung von durchschnittlich 3,6 Prozent zu erwirtschaften, wo doch zehnjährige Bundesanleihen aktuell weniger als 1,7 Prozent abwerfen? Von einem abrupten Zinsanstieg würden wir deshalb nur in der Neuanlage profitieren. Das heißt, die Gesamtverzinsung stiege nur langsam.


Das Spiegelbild der hohen Renditen, die Sie noch im Altbestand haben, ist, dass diese Papiere deutlich über ihrem Rückzahlungskurs von 100 Prozent notieren. Um diese Reserven gibt es Streit. Warum?
Genau, das sind die Bewertungsreserven, über die am 26. Februar im Vermittlungsausschuss verhandelt wird. Seit 2008 gibt es ein Gesetz, das uns vorschreibt, die Kunden, die das Kollektiv verlassen, an Bewertungsreserven zu beteiligen.


Wie kam es dazu?
2008 hat die große Koalition ein Verfassungsgerichtsurteil aus dem Jahr 2005 umgesetzt.


Wieso war das nötig, haben die Unternehmen ihren Kunden nicht das gegeben, was ihnen zustand?
Wir Versicherer sind vorsichtig. Reserven gehören zu den wichtigsten Instrumenten der Lebensversicherung. Nicht, weil wir daran verdienten, sondern weil es den Kunden, deren Policen noch laufen, Sicherheit gibt. Die hohen Buchgewinne auf unsere Aktienpakete waren jedoch Anfang 2000 verlockend – bis der Crash kam. Da Aktien ja keinen Ablauftermin haben, wurden diese Papiere nie fällig, der Wertzuwachs nie ausgeschüttet. Dagegen haben Versicherte geklagt und Recht bekommen.


Bei Aktien ist die Sache ja auch anders gelagert als bei Anleihen.
Korrekt. Aktien haben zwei Ertragskomponenten; die Dividende und den Wertzuwachs. Die Beteiligung an den Bewertungsreserven bei Aktien und Immobilien ist daher nachvollziehbar. Gegen die Warnungen der Deutschen Aktuarvereinigung hat der Gesetzgeber jedoch Aktien und Anleihen gleich behandelt und so das Problem geschaffen, vor dem wir heute stehen.


Welches Problem?
Dass sich die Reserven bei Anleihen automatisch auflösen, wenn das Papier ausläuft. In Wahrheit sind es Scheinreserven. Je mehr wir von den Reserven auflösen müssen, desto geringer fällt die Verzinsung für die 95 Prozent der Kunden aus, die weiter in ihre Lebensversicherung einzahlen. Das sehen Sie aktuell an den stark zurückgehenden jährlichen Verzinsungen. Abgehenden Kunden müssen wir Erträge auszahlen, die eigentlich in die Überschussbeteiligung für alle Kunden gehören. Und was ganz schlimm ist: Es führt zu einer erratischen Auszahlungspraxis. Das Gesetz von 2008 ist eine Fehlkonstruktion!


Wie müsste das Gesetz denn geändert werden?
Ganz einfach: Die Beteiligung an den Bewertungsreserven auf festverzinsliche Wertpapiere gehört wieder abgeschafft. Der Gesetzgeber sollte uns zumindest von den stillen Reserven auf Anleihen die stillen Lasten aus der Garantieverzinsung abziehen lassen und nur den Rest zur Ausschüttung frei geben. Ansonsten gefährdet er wissentlich das mit 90 Millionen Verträgen das wichtigste Vorsorgeprodukt hierzulande.


Die Kunden, deren Vertag ausläuft, argumentieren so: Denjenigen, mit deren Geld die Reserven erwirtschaftet wurden, stehen die Reserven auch zu. Was ist daran verkehrt?
Die Reserven sind mit dem Geld aller Versicherungsnehmer erwirtschaftet worden. Und es handelt sich nicht um langfristige Reserven, die in den Kellern der Unternehmen lagern, sondern um absolut flüchtige Scheinreserven.


Verbraucherschützer werfen ihnen dagegen vor, in Wirklichkeit nur die eigenen Gewinne erhöhen zu wollen.
Das werfen die Verbraucherschützer uns immer vor! Durch die ständige Wiederholung wird die Behauptung jedoch nicht richtig. Es geht um Mittel der Versicherten, nicht der Aktionäre. Dass die Unternehmen auch ihr Eigenkapital schützen, ist wirtschaftlich vernünftig. Denn wer glaubt, die Aktionäre würden beliebig Geld nachschießen, wenn die Mittel der Versicherten durch unsinnige Regelungen vorzeitig verbraucht wurden, der ist naiv.


Naja, die Gewinne der Versicherer sind ja jüngst ganz ordentlich gestiegen. Da könnten auch die Unternehmen und ihre Aktionäre mal ran, oder nicht?
Die herumgeisternden Zahlen sind seltsam, denn darin enthalten sind die Gewinne des Marktführers. Diese Gewinne wurden nie und nimmer auf dem deutschen Lebensversicherungsmarkt verdient, sondern auf den Weltmärkten mit ganz anderen Produkten.


Wie hoch liegt denn die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der deutschen Lebensversicherer?
Etwa bei 10 Prozent für das Jahr 2011. Das ist nicht extrem. Außerdem muss man bedenken, dass der Aktionär ein wesentlich höheres Risikokapital stellen muss. Und wer erzählt denn mal, dass die Lebensversicherungen eines der wenigen Produkte sind, bei denen der Gesetzgeber den Produzenten die maximale Gewinnmarge vorschreibt?

Zur Person
Johannes Lörper.

Johannes Lörper (59) ist im Vorstand der Ergo Lebensversicherung sowie der Victoria Lebensversicherung. Dort ist er verantwortlich für Mathematik Leben und den Bereich Private Altersvorsorge. Seit 2004 ist der promovierte Mathematiker ebenfalls im Vorstand der Deutschen Aktuarsvereinigung, deren Vorsitzender er seit Mai 2011 ist.

Die Deutsche Aktuarvereinigung ist die berufsständische Vertretung der Versicherungs- und Finanzmathematiker mit derzeit rund 3.800 Mitgliedern.

Lebensversicherung
Garantiezins
Überschussbeteiligung

Die Idee der Lebensversicherung entstand im 18. Jahrhundert in England. Ziel ist es, über einen langen Zeitraum sichere und verlässliche Kapitalflüsse zu generieren. Die Zutaten werden sehr vorsichtig kalkuliert. Der Garantiezins, derzeit 1,75 Prozent, sollte klar unter dem Marktzinsliegen (was zur Zeit nicht der Fall ist). Dazu packt man eine vorsichtige Annahme zur Sterblichkeit, also eher zu viele Todesfälle als zu wenig und eine vorsichtige Kostenkalkulation, eher zu hohe Kosten als zu niedrige. Das alles tut man, um sicherzustellen, das Anfangsversprechen erfüllen zu können.(heu)

Neben der Garantieverzinsung, die die Unternehmen auf jeden Fall leisten müssen, kommt noch die Gewinnbeteiligung hinzu. Der Ertrag, den die Versicherer nach Abzug der Garantiezinsen erwirtschaftet haben, wird auf mehrere Töpfe verteilt. Die wichtigsten Töpfe heißen Überschussbeteiligung, Schlussgewinnbeteiligung, freie RfB sowie Ausschüttung an die Versicherungsunternehmen zwecks Stärkung des Eigenkapitals oder Ausschüttung an die Aktionäre. (heu)

HDie Überschussbeteiligung wird jedes Jahr ermittelt und den Versicherten sofort gut geschrieben. Sie haben beim Auslaufen der Police Anspruch auf die gutgeschriebene Gewinne. Teil zwei steckt in der Schlussgewinnbeteiligung. Diese gehört den Versicherten, steht aber im Notfall – nach Absprache mit der Aufsicht – zur Absicherung der Garantien zur Verfügung. Bevor das passiert, kommt aber der Puffer freie RfB zum Einsatz. Dort fließen in guten Jahren Gewinne rein und in schlechten Mittel raus, um die Verzinsung der Policen halbwegs stabil zu halten. (heu)


Wie bitte?
Es gibt die sogenannte Mindestzuführungsverordnung. Die besagt, dass die Unternehmen maximal zehn Prozent der Kapitalerträge behalten können, maximal 25 Prozent der Risikoerträge und 50 Prozent der Kostenerträge.

Kostenerträge sind geringere echte Kosten als in die Kalkulation eingerechnet?
Richtig. Und Risikoerträge entstehen, wenn wir weniger fürs Risiko brauchen als eingerechnet.


Wenn also die Menschen nicht so früh sterben wie gedacht?
Wenn die Kunden der Lebensversicherung nicht so schnell sterben und die Kunden in der Rentenversicherung früher als kalkuliert sterben.


Schöpft die Branche diese Quoten im Schnitt denn aus?
Nein, die Branche bleibt klar darunter.


Sie wollen uns weismachen, dass die Versicherer sich weniger von unseren Erträgen nehmen, als ihnen das Gesetz erlaubt?
Das haben sie bisher immer getan.


Warum denn so bescheiden?
Weil es Wettbewerb gibt. Unsere tatsächlich den Kunden gutgeschriebene Verzinsung ist der Wettbewerbsparameter schlechthin.


Lassen Sie uns über Fairness reden, Herr Lörper. Die Ergo verzinst ihre Policen für 2012 mit 3,2 Prozent. Diejenigen Kunden, die Verträge zwischen 1995 und 2000 abgeschlossen haben, bekommen dagegen vier Prozent, weil es so die damalige Garantie vorsieht. Ist das fair?
Ich darf Sie zuerst ein wenig korrigieren: 3,2 Prozent schreiben wir als laufende Gewinnbeteiligung gut, inklusive Schlussüberschuss erhalten unsere Kunden 3,55 Prozent. Bei älteren Verträgen müssen wir vier Prozent zahlen, weil wir vertraglich dazu verpflichtet sind. Allerdings bekommen jüngere Kunden jetzt nur deshalb 3,2 Prozent, weil wir früher mit dem Geld der älteren Kunden höher rentierliche Wertpapiere gekauft haben. Von diesem Bestand profitieren jetzt auch jüngere Kunden.


Die neuen Verträge, die eine Garantie von 1,75 tragen, bekommen bei der Ergo 1,45 Prozentpunkte Aufschlag aus der Überschussbeteiligung. Die alten Verträge bekommen daraus gar nichts. Ist das fair?
Natürlich! Die Altverträge mit vier Prozent haben den höheren Garantiezins und bekommen solange keine Überschussbeteiligung mehr, bis der Nachteil für Kunden mit geringerem Garantiezins wieder wettgemacht ist. Wir werden uns das merken, dass eine Gruppe des Kollektivs gerade mehr bekommt als die anderen.


Das heißt, selbst, wenn die Ergo wieder im Schnitt 4,5 Prozent ausschütten könnte, bekämen die alten Policen mit vier Prozent Zinsgarantie nicht mehr als die Garantie? Und der Rest solange mehr, bis die Ungleichbehandlung dieser Jahre aufgeholt ist?
Ja, so planen wir das bei der Ergo. Solange, bis die Ungerechtigkeit durch die gesetzlich vorgeschriebene Bevorzugung der Vier-Prozenter wieder wettgemacht worden ist. Darauf wird die Aufsicht ein Auge haben, wenn wir Aktuare den Angemessenheitsbericht vorstellen.


Wie lautet das Fairnessprinzip der Lebensversicherung?
Wir haben den Gleichbehandlungsgrundsatz, jeder soll die gleichen Gewinne zugewiesen bekommen. Das ist der große Unterschied zu allen anderen Vorsorgeprodukten und führt in der öffentlichen Debatte oft zu Konfusionen. Im Gegensatz zu Fondssparplänen, bei denen der Sparer selber entscheidet, wie er anlegt und das Risiko alleine trägt, herrscht bei Lebensversicherungen der Kollektivgedanke vor. Wer gleich lange gleich viel angespart hat, soll dasselbe Ergebnis erhalten, egal, ob er ein Jahr früher oder später geht.


Das hört sich nach Umverteilung an.
Wir verteilen um, von guten Jahren zu schlechten, indem wir einmal weniger ausschütten und Puffer bilden und ein anderes Mal die Puffer einsetzen, um die Verzinsung nicht abrutschen zu lassen . Die Lebensversicherer versuchen möglichst die Aufs und Abs an der Börse zu glätten. Deshalb bekommt bei uns nie ein Kunde genau das, was er mit seinem Geld als Ertrag erzielt hat.


Apropos Puffer: Das zweite große Thema, das neben den Bewertungsreserven die Gemüter bewegt und im Vermittlungsausschuss liegt, kürzt sich mit RfB ab. Was ist das denn schon wieder?
Die RfB ist unser zentraler Puffer, eine Reserve, die dafür sorgt, dass wir jedes Jahr faire Ausschüttungen vornehmen können. Sie hat dazu gedient, dass das deutsche System zwei Jahrhundertkrisen binnen zehn Jahren, den Aktiencrash 2002/3 und die Finanzkrise 2008 bis heute ohne größere Blessuren überstanden hat.


Worum dreht sich der Streit?
1994, als der Markt für Lebensversicherungen in Deutschland dereguliert worden ist, hatten viele die Sorge, dass die Unternehmen, um im Wettbewerb nach vorne zu kommen, den Puffer - die RfB - für waghalsige Versprechen bei der Neukundengewinnung nutzen könnten. Denn sie müssen wissen: Bis 1994 musste die Aufsicht jedes einzelne Lebensversicherungsprodukt zulassen. Entsprechend groß war die Skepsis. Deshalb hat man damals nur in Deutschland den Altkunden die RfB vermacht. Sie durfte Neukunden nicht zugute kommen. Diese mussten ihre eigene RfB aufbauen. Das ist doppelt ungerecht. Zum einen haben die Altkunden einen großen Teil der RfB von den Vorgängern vererbt bekommen, warum sollen sie ihn alleine verfrühstücken dürfen? Zum anderen: Warum müssen die Neukunden erst wieder eine Reserve aufbauen, wenn schon eine vorhanden ist? Hinzu kommt noch, dass die Kunden vor Juli 1994 seit fast 20 Jahren sich nicht mehr an der Finanzierung des Neugeschäftes beteiligen müssen.


Wie bitte? Die Altkunden beteiligen sich an den Vertriebskosten?
Und das vollkommen zu Recht. Wenn kein frisches Geld mehr hinzukommt, dörrt der Bestand aus, steigen die Verwaltungskosten, irgendwann wird das Ganze eine extrem unattraktive Veranstaltung. Die letzten Kunden werden so hohe Verwaltungskosten haben, dass ihre Prämien locker dafür drauf gehen. Die Vor-1994er Kunden sind von der Finanzierung des Neugeschäfts entlastet worden. Jetzt werden die Altkunden weniger, müssen aber nicht die Nachteile in Kauf nehmen, weil das Vermögen des Kollektivs weiter wächst. Das ist in hohem Maß ungerecht. Deshalb soll es jetzt zu einer Teilkollektivierung der alten Reserven kommen.


Wie konnte es dazu kommen, dass die RfB für die Altkunden so stark gestiegen ist? Hätten Sie nicht mehr ausschütten müssen?
Dann hätten wir ja unseren Gleichheitsgrundsatz gebrochen! Die RfB der Altkunden ist halt durch nichts mehr belastet worden und konnte sich so munter verzinsen. Deshalb ist die Teilkollektivierung nur gerecht.


Die Verbraucherschützer werfen der Branche indes vor, nur deshalb für die Teilkollektivierung zu plädieren, weil die RfB als Eigenkapitalersatz dient und damit die Versicherer davor schützt mehr Eigenkapital nachzuschießen, beziehungsweise indirekt die Eigenkapitalrendite erhöht?
Der Vorwurf ist grotesk. Dieselben Verbraucherschützer kritisieren bei neuartigen Garantieprodukten, die am Kapitalmarkt abgesichert werden, dass sie mehr Eigenkapital erforderten.

Warum?
Weil Eigenkapital teuer ist. Eine Verzinsung von zehn Prozent sollte es kalkulatorisch einbringen. Die RfB wird dagegen mit der Durchschnittsverzinsung versehen, die die Versicherer erreichen. Also etwa 3,6 Prozent für 2012. Und was glauben Sie, wer die höhere Verzinsung des Eigenkapitals erbringen muss?


Na der Kunde.
Genau. Mehr Eigenkapital ginge heftig zulasten der Rendite. Statt mit teurem Eigenkapital arbeitet das System mit einem Risikoausgleich zwischen den Versicherungsnehmergenerationen. Das ganze System ist bewusst darauf angelegt, mit wenig Eigenkapital auszukommen, um die Risiken so günstig wie möglich für den Kunden zu machen.

Das Interview führte Robert von Heusinger

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