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Leerverkäufe: Ein Kampf Seit' an Seit'

Seit Beginn der Finanzkrise stehen Leerverkäufe in der Kritik. Nun hat Kanzlerin Angela Merkel im Kampf gegen Risikogeschäfte einen wichtigen Verbündeten. Von Michael Bergius und Anna Sleegers

Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sind jetzt Partner im Kampf gegen Leerverkäufe.
Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sind jetzt Partner im Kampf gegen Leerverkäufe.
Foto: afp

Berlin/Paris. In ihrem Kampf gegen Zocker hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einen wichtigen Partner an Bord geholt. Wenige Wochen nachdem Deutschland mit dem nationalen Verbot von ungedeckten Leerverkäufen massiv Kritik geerntet hat, schließt sich der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy der Initiative an.

In einem gemeinsamen Brief an EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, beschränken sich Merkel und Sarkozy nicht auf die Forderung nach Transparenz bei Leerverkäufen von Aktien und Anleihen. Stattdessen plädieren sie dafür, dass die EU-Kommission die "Möglichkeit eines EU-weiten Verbots ungedeckter Leerverkäufe aller oder bestimmter Aktien und Staatsanleihen" prüft.

Leerverkäufe stehen seit dem Beginn der Finanzkrise vor gut zwei Jahren in der Kritik. In der zahmen Variante, dem "gedeckten" Leerverkauf, leiht sich der Anleger gegen eine Gebühr Wertpapiere, um sie zu verkaufen. Fällt der Kurs tatsächlich, decken sie sich am Markt mit den nun billigeren Papieren ein und geben sie zurück.

Zerstörerische Geschäfte

Ihr Gewinn entspricht der Kursdifferenz abzüglich der Leihgebühr. In der extremen Variante, dem "ungedeckten" Leerverkauf, leihen sich die Hedgefonds die Wertpapiere nicht einmal: Sie verkaufen, um den Kurs zu drücken und decken sich erst anschließend am Markt mit den billigeren Papieren ein, um sie an ihre Käufer auszuliefern.

Diese Geschäfte sind extrem lukrativ, weil sie geringste Einsätze erfordern. Gleichzeitig können sie jedoch extrem zerstörerisch wirken, weil sie einen bestehenden Kursverfall künstlich verstärken.

Im Grunde handelt es sich bei Leerverkäufen um Termingeschäfte. Sie funktionieren nur, weil zwischen Geschäftsabschluss und Auslieferung der Wertpapiere meist ein paar Tage liegen. In ihrem Schreiben lassen Merkel und Sarkozy eine interessante Möglichkeit anklingen, Leerverkäufe zu erschweren, ohne sie zu verbieten.

Sie schlagen vor, die zulässigen Fristen für die Abrechnung und Lieferung von Wertpapieren zu harmonisieren. Je weniger Zeit zwischen Abrechnung und Lieferung verstreichen darf, desto schwieriger ist es, mit Leerverkäufen Geld zu verdienen.

Kritik - oder nicht

Die Initiative überrascht in mehrfacher Hinsicht. Zum einen fällt der Kommando-Ton auf, den Merkel und Sarkozy gegenüber Barroso anschlagen. Schließlich hatte der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier erst in der vergangenen Woche mehrere Regelungsvorschläge für die Finanzmärkte vorgelegt und bereits einen - durchaus ehrgeizigen - Fahrplan für weitere Gesetzesvorlagen skizziert.

Die EU-Kommission wollte den Brief dann auch nicht als Kritik an ihrer Arbeit verstanden wissen. Die Behörde arbeite bereits mit Nachdruck und Eile an einem EU-Gesetz zu den umstrittenen Leerverkäufen, sagte Barrosos Sprecherin.

"Wir haben bislang unterschiedliche Positionen der Mitgliedstaaten gehört, wir brauchen aber eine einheitliche europäische Reaktion." Zu Leerverkäufen und Kreditausfallversicherungen werde die Kommission "im Sommer Vorschläge machen". "Aber wir haben noch kein konkretes Datum. Wir befinden uns in engen Konsultationen mit allen Beteiligten."

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Autor:  Michael Bergius und Anna Sleegers
Datum:  9 | 6 | 2010
Seiten:  1 2
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