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24. Januar 2013

Lehrergehälter: Nach Mathe: Streik

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Winkel, Grad, Prozente - nicht nur in der Schule, auch bei Tarifverhandlungen wird scharf gerechnet. Foto: dpa

Die Gewerkschaften fordern mehr Geld für Lehrer und drohen mit Arbeitskampf an Schulen.

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Die Gewerkschaften fordern mehr Geld für Lehrer und drohen mit Arbeitskampf an Schulen.

An vielen Schulen kann es in den nächsten Wochen zu Streiks und Unterrichtsausfällen kommen. Am 31. Januar beginnt die bundesweite Tarifrunde für den öffentlichen Dienst der Bundesländer. Wenn sich die Arbeitgeber in diesem ersten Gespräch bei der Lehrer-Bezahlung kompromisslos zeigten, würden bereits am 1. Februar Protestaktionen gestartet, sagte Verdi-Vorstand Achim Meerkamp, der zu den Verhandlungsführern der Gewerkschaften gehört. Zunächst werde es wohl stundenweise Aktionen in einzelnen Regionen geben, etwa in Sachsen und Sachsen-Anhalt, heißt es in Gewerkschaftskreisen.

Wenn sich die Arbeitgeber auch in der zweiten Gesprächsrunde nicht bewegen, sind ab dem 18. Februar massive Streiks geplant, die auch zu Unterrichtsausfällen führen dürften, heißt es bei den Gewerkschaften. Dann werde es in mehreren Regionen Proteste geben, etwa in Berlin, in Nordrhein-Westfalen und in Ostdeutschland.

Streiks in Hessen noch unklar

Ob auch in Hessen gestreikt werde, sei noch offen, sagte die Verhandlungsführerin der Lehrer-Gewerkschaft GEW, Ilse Schaad, der Frankfurter Rundschau. Die Landesregierung verhandelt separat mit den Gewerkschaften über die Gehälter der Angestellten. Denn Hessen ist nicht Mitglied im Arbeitgeberverband der Bundesländer TdL, der für den Rest der Republik verhandelt.

Worum geht es in dem Konflikt? Zurzeit entscheiden die Bundesländer allein, wie sie die angestellten Lehrer bezahlen. Dabei werden die Beschäftigten in den einzelnen Ländern ganz unterschiedlich eingruppiert. „In Sachsen wird die gesamte Lehrerschaft niedriger eingruppiert als im Rest der Republik“, kritisiert Schaad.

„Willkürliche“ Bezahlung

Hinzu kommt, dass Lehrer auch innerhalb der Länder ungleich behandelt werden. Wer von seiner Ausbildung her auch Beamter werden könnte, wird oft besser entlohnt als Seiteneinsteiger, die beispielsweise einen naturwissenschaftlichen Uniabschluss haben. Das Gleiche gilt für Lehrer, die kein zweites Staatsexamen haben oder schlicht zu alt sind, um noch Beamte werden zu können, erläutert Meerkamp. „Nicht-Erfüller“ heißen solche Lehrkräfte im Bürokratendeutsch. Kurzum: Die Arbeitgeber legten die Vergütung der Lehrer „willkürlich“ fest, schimpft Verdi.
Genau das wollen die Gewerkschaften ändern: Die Eingruppierung der Lehrer soll tariflich und einheitlich geregelt werden, fordern sie. Die meisten haben mehr Geld verdient, betont Schaad. Schließlich würden andere Akademiker im öffentlichen Dienst besser bezahlt. „Wir wollen die Eingruppierung der Lehrer an das Niveau heranführen, das für Beschäftigte mit wissenschaftlichem Hochschulabschluss gilt.“

Derzeit würden viele Lehrer in die Entgeltgruppe 9 einsortiert, das entspreche einem Bruttoeinkommen von 2350 bis 3370 Euro. Andere Akademiker würden dagegen in die Entgeltstufe 13 eingruppiert, sie erhalten je nach Berufserfahrung zwischen 3190 und 4 600 Euro.
Insgesamt sind an deutschen Schulen laut Verdi 200000 Lehrer Angestellte und keine Beamten. Sie arbeiten vor allem in den neuen Bundesländern, in Berlin und in Nordrhein-Westfalen. Auch in Hessen unterrichten einige Angestellte die Schüler.

Der Konflikt über die Lehrer-Bezahlung schwelt schon lange. Bereits in der vorigen Tarifrunde im Jahr 2011 versuchten die Gewerkschaften, die Eingruppierung tariflich zu regeln – vergeblich. Seither gab es immer wieder Gespräche, die keine Fortschritte brachten. Offenbar haben die Gewerkschaften jetzt die Geduld verloren und drohen deshalb schon vor den ersten Gesprächen der neuen Tarifrunde mit Streiks.

Arbeitgeber sehen das anders

Natürlich geht es in der Lohnrunde nicht nur um Lehrer. Für alle 840 000 Tarifbeschäftigte in den Länder-Einrichtungen verlangen die Gewerkschaften höhere Gehälter. Im Dezember haben sie eine Forderung von 6,5 Prozent mehr Geld beschlossen. Nun hat Verdi-Vorstand Meerkamp ungewöhnlich offen signalisiert, welches Ziel er tatsächlich anpeilt: Die Einkommen sollen in den nächsten 14 Monaten um 3,6 Prozent steigen. Warum? Weil für die Beschäftigen in den Kommunen und beim Bund Lohnzuschläge in dieser Höhe bereits vereinbart sind. Und Landesbedienstete dürften nicht geringer vergütet werden als kommunale Beschäftigte, argumentiert Verdi.

Die Arbeitgeber sehen das anders. „Ich will die Schuldentilgung erhöhen, nicht die Personalausgaben“, sagte der Verhandlungsführer der Bundesländer, Sachsen-Anhalts Finanzminister Jens Bullerjahn, der Süddeutschen Zeitung. Auf die Frage, ob Landesbeschäftigte mit geringeren Zuwächsen rechnen müssen als Angestellte in Kommunen, antwortete der SPD-Politiker: "Ja, damit müssen sie rechnen."

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