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18. Dezember 2012

Leiharbeit: Leiharbeiter werden um Zuschläge betrogen

 Von Peter Dietz und Eva Roth
Streik der IG Metall gegen Leiharbeit.  Foto: dapd

Laut IG Metall werden in Hessen die vereinbarten Zuschläge massenhaft nicht gezahlt. In Berlin ist jeder Zweite betroffen. Aus Angst um ihren Job, trauen die meisten sich nicht, etwas zu sagen.

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Viele halten die Füße still. Sie haben Angst, ihren Job zu verlieren“, sagt Peter Hintermeyer. Der Metaller kennt die Stimmungslage in den Betrieben – er ist selbst als Leiharbeiter in Thüringen tätig. Und er kennt die Tricks der Arbeitgeber, die vereinbarten Branchenzuschläge in der eigenen Kasse zu halten.

Hintermeyer erzählt von einem Kollegen, dem eigentlich ein Zuschlag 1,35 Euro pro Stunde zugestanden hätte. Die Zeitarbeitsfirma aber habe ihn mit 48 Cent abspeisen wollen. „Das war ein völlig willkürlicher, nicht nachvollziehbarer Betrag“, klagt Hintermeyer. Vor allen aber war er viel zu niedrig.

Viele Zeitarbeiter gehen ganz leer aus. Ihnen würden neue, schlechtere Verträge vorgelegt; andere würden kurzerhand um zwei Entgeltstufen vom Facharbeiter zum Helfer degradiert. Die Differenz der Einkommen sei in vielen Fällen mit dem seit November fälligen Zuschlag identisch.

Massenhafter Betrug

Auch in Berlin versuchten Verleihfirmen, die Branchenzuschläge zu umgehen, sagt Klaus Abel, zweiter Bevollmächtigter der Berliner IG Metall, dieser Zeitung. Er schätzt, dass etwa jeder zweite Leiharbeiter in der Berliner Metall- und Elektroindustrie eine entsprechende Änderung ihres Arbeitsvertrags akzeptieren wird – aus Angst, andernfalls Nachteile zu erleiden. Insgesamt seien in der Berliner Metallbranche rund 5000 Zeitkräfte im Einsatz.

Von „massenhaftem Betrug“ spricht Armin Schild, Leiter des IG Metall-Bezirks Mitte. Er ist für die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen zuständig. Dort hätten rund 36.000 Zeitarbeiter in der Metall- und Elektroindustrie Anspruch auf den Zuschlag. Eine Vielzahl von ihnen habe aber nicht das bekommen, was ihnen laut Vertrag zusteht. 26 von 150 Leiharbeitsfirmen im Bezirk Mitte hätten die Vereinbarung auf unterschiedliche Weise unterlaufen, sagt Schild.

Das habe eine Umfrage der IG Metall bei Betriebsräten ergeben. In Hessen seien bis zu 40 Prozent, in Thüringen bis zu 65 Prozent der Beschäftigten um einen Teil oder den gesamten Zuschlag betrogen worden. Am Missbrauch beteiligt seien auch Firmen, bei denen die Leiharbeiter zum Einsatz kommen. Im eigenen Interesse würden diese das Streichen des Zuschlags dulden oder fördern, sagt Schild.

Das Drohen mit Kündigung wirke in einer wirtschaftlichen Lage, in der die Industrie Stellen streicht und Kurzarbeit fährt. Denn meist seien die Zeitarbeiter die ersten, die gehen müssen. Diese Situation nutzten viele Verleiher aus. Mindestens die Hälfte der 12.000 deutschen Leiharbeitsfirmen sei bereit, bestehende Tarifnormen zu unterlaufen, schätzt Schild. Und die setzten wiederum faire Firmen unter Druck, die gewillt seien, Zuschläge wie vereinbart zu zahlen. Die Guten der Branche stünden unter starkem Konkurrenz- und Preisdruck, sagt auch Stefan Sell, Direktor des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik der Hochschule Koblenz „Sie muss man vor Preisdumping schützen.“

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