Berlin. Zeitarbeit führt nur in Ausnahmefällen in eine reguläre Beschäftigung. Gerade einmal jeder 20. Leiharbeiter findet eine dauerhafte Stelle, wenn er vorher arbeitslos war. Etwas besser sieht es für die aus, die zuvor zumindest teilweise berufstätig waren. Für sie liegt die Chance auf eine dauerhafte Beschäftigung bei neun Prozent, wie eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt. Im Schnitt haben sieben Prozent der ehemals Arbeitslosen nach zwei Jahren dank Leiharbeit den Absprung geschafft.
"Leiharbeit ist zwar keine breite Brücke, aber zumindest ein schmaler Steg in Beschäftigung", sagte IAB-Direktor Joachim Möller. Das Ergebnis nannte er "sehr ernüchternd". Zugleich verwies er auf positive Entwicklungen. Leiharbeit sei trotz aller Mängel "die mit Abstand bessere Alternative zu fortgesetzter Arbeitslosigkeit". Der Untersuchung zufolge waren 25 Prozent der Leiharbeiter in den zwei Jahren vor Beginn der Tätigkeit die meiste Zeit arbeitslos. Zwei Jahre danach waren 17 Prozent ohne Job.
Charakteristisch für die Leiharbeit sind die starken Schwankungen. Nach der Deregulierung durch die erste Hartz-Reform 2004 setzte die Branche zu einem Boom an. Die Zahl der Arbeitnehmer verdoppelte sich innerhalb von zweieinhalb Jahren und erreichte mit 823000 im Juli 2008 den bis heute gültigen Rekord. Nach Ausbruch der Wirtschaftskrise fuhren die Firmen die Verträge massiv zurück, bis auf 582000 im April 2009. Wesentlich besser kamen die Stammbelegschaften davon. Bei ihnen verzichtete die Wirtschaft weitgehend auf Entlassungen im größeren Stil.
Meist nur kurz beschäftigt
Die meisten Beschäftigungsverhältnisse in der Leiharbeit dauern laut Möller kurz. Rund die Hälfte endet bereits innerhalb von drei Monaten. Den "Lohnnachteil" schätzt der Wissenschaftler bei gleicher Qualifikation auf 20 bis 25 Prozent. Möller sprach sich für einen allgemeinverbindlichen Mindestlohn in der Branche aus. Dies sei ohne Gefahr für die Beschäftigung möglich, da Gewerkschaften und Arbeitgeber mit 7,60 Euro im Westen und 6,65 im Osten keine zu hohen Niveaus ausgehandelt hätten.
Ohne Branchenmindestlohn drohe eine "Negativspirale" nach unten, wenn von Mai 2011 an in der Europäischen Union die völlige Arbeitnehmerfreizügigkeit greife. Zieht die Regierung bis dahin keine Untergrenze ein, könnten polnische und andere osteuropäische Firmen ihre Leiharbeiter zu drei oder vier Euro die Stunde in Deutschland arbeiten lassen.
Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat sich daher bereits für einen allgemeingültigen Mindestlohn in der Zeitarbeit ausgesprochen. Die FDP lehnt dies aber ab mit dem Argument, dies greife in die Tarifautonomie ein.
Die IG Metall forderte die Politik zum Handeln auf. Die IAB-Studie bestätige die Kritik der Gewerkschaften, sagte IG-Metall-Vizechef Detlef Wetzel der FR. Zeitarbeit diene dazu, "Tarifverträge zu umgehen und Löhne zu drücken, gerade auch in der Metallindustrie". Es sei ein "Skandal", dass das Niveau von Leiharbeit heute fast wieder den Stand von 2008 erreicht habe. Für die Ausweitung solcher Jobs in der Metall- und Elektroindustrie seien allein die Arbeitgeber verantwortlich.
Deren Verband Gesamtmetall wies die Vorwürfe zurück. Die Studie bestätige, dass Zeitarbeit die Flexibilität schaffe, die Unternehmen im internationalen Wettbewerb benötigten, erklärte ein Gesamtmetall-Sprecher. (mit rtr)
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