Aktuell: Schicksal von Tuğçe A. | Burger King | Polizeigewalt in Ferguson | Eintracht Frankfurt | Fußball-News

Wirtschaft
Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse, Finanz-Themen

30. Dezember 2012

Leiharbeit: Zeitarbeit-Firmen lenken ein

Der Kollege von der Zeitarbeitsfirma soll laut Tarifvertrag mehr Geld als bisher bekommen. Foto: dpa/Frank Rumpenhorst

Im Streit über Branchenzuschläge für Leiharbeiter spricht der Unternehmerverband nun von einem Missverständnis und gelobt Besserung. Die Gewerkschaften sehen aber noch einiges mehr im Argen.

Drucken per Mail

Im Streit über die korrekte Bezahlung von Leiharbeitern hat der Arbeitgeberverband IGZ seine harte Haltung aufgegeben. Er reagierte damit auf den Vorwurf, Zeitarbeits-Firmen würden mit Tricks versuchen, die neuen Branchenzuschläge für ihre Beschäftigten zu umgehen (wir berichteten).

Seit November haben Leiharbeiter, die in der Metall- und Elektroindustrie tätig sind, laut Tarifvertrag Anspruch auf Branchenzuschläge. Nach sechs Wochen Einsatz in einem Betrieb steigt demnach der Stundenlohn um 15 Prozent. Doch viele Zeitkräfte würden die Zuschläge nicht erhalten, kritisiert die IG Metall. Über die Vorwürfe berichtete diese Zeitung bereits Ende November und löste damit eine breite öffentliche Debatte aus.

Der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) hat inzwischen auf den Druck reagiert und seine Position geändert. Ein IGZ-Musterarbeitsvertrag vom August 2012 sah noch vor, dass die Branchenzuschläge mit allen bestehenden Zulagen verrechnet werden können. Explizit genannt werden unter anderem Schmutz- und Erschwerniszulagen. Für viele Beschäftigte bedeutet die Klausel faktisch, dass allenfalls ein Teil der Lohnerhöhung auf ihrem Konto landet.

Nur ein erster Erfolg

In einer Mitgliederinformation des Verbands vom Dezember revidiert der IGZ dann seine Position teilweise und empfiehlt ausdrücklich, bestimmte Zulagen wie „Erschwerniszulagen, Schmutzzulagen“ nicht mit der neuen Lohnerhöhung zu verrechnen. Die ursprüngliche Klausel sei „missverständlich“ gewesen, erklärte IGZ-Hauptgeschäftsführer Werner Stolz auf Anfrage dieser Zeitung. Woran der Verband weiterhin festhält: dass übertarifliche Zulagen verrechnet werden können.

Für die IG Metall ist das Einlenken des Arbeitgeberverbands denn auch nur ein erster Erfolg. Noch seien längst nicht alle Probleme gelöst, meint ihr Justiziar Thomas Klebe. 

Wer zahlt die Lohnerhöhung?

Der zweite Arbeitgeberverband BAP bekennt sich immerhin klar zu den neuen Tarifzuschlägen: Der Bundesverband der Personaldienstleister rate davon ab, die Branchenzuschläge mit anderen, bereits bestehenden Zulagen zu verrechnen, sagte BAP-Vorstandsmitglied Vera Calasan dieser Zeitung: „Wir empfehlen das unter keinen Umständen. Tarifrechtlich ist das teilweise möglich, aber es ist nicht so gedacht“, betont Calasan, die im Hauptberuf Chefin von Manpower-Group Deutschland ist.

Die meisten Manpower-Beschäftigten, die in der Metall- und Elektroindustrie tätig sind, erhielten die Zulagen denn auch in voller Höhe. So seien derzeit rund 6600 Mitarbeiter in dieser Branche im Einsatz. Davon erhielten nun 5000 bis 6000 Beschäftigte 15 Prozent höhere Stundenlöhne. Die übrigen Mitarbeiter hätten schon zuvor etwa so viel verdient wie vergleichbare Stamm-Beschäftigte, mindestens jedoch 90 Prozent. In diesen Fällen sehe der neue Tarifvertrag vor, dass die Einkommen nicht zusätzlich steigen.

Geringe Gewinnmarge

Das höhere Entgelt werde in der Regel  von den Einsatzbetrieben übernommen, berichtet Calasan. Die Kosten für den zusätzlichen Verwaltungsaufwand müssten allerdings häufig die Personaldienstleister selbst tragen. Die Gewinnmarge sei deswegen oft sehr gering.

Derzeit gehe die Nachfrage nach Zeitkräften zurück. „Das ist eine ganz normale Entwicklung bei nachlassendem Wirtschaftswachstum. Die Einführung der  Branchentarifzuschläge hat die Nachfrage allerdings ebenfalls gedämpft“, vermutet Calasan.

Zur Homepage
comments powered by Disqus
Ressort

Nachrichten aus der Wirtschaft, Börsen-Trends, Kurse und Finanz-Themen.

Videonachrichten Wirtschaft
Umfrage

Die FR möchte auch nach wissenschaftlichen Maßstäben das Gerechtigkeitsempfinden erforschen. Dabei setzen wir auf Sie, liebe Leserinnen und Leser - und Ihre Beteiligung an einer wissenschaftliche Studie der Universität Köln.

Koffein-Junkies

Die Jobs mit dem höchsten Kaffee-Konsum

Von  |
Ohne den Wachmacher geht es nicht: 70 Prozent der befragten Berufstätigen glauben, ihre Arbeitsleistung wäre ohne Kaffee beeinträchtigt.

In TV-Serien sitzen Polizisten oft mit einem Becher Kaffee im Auto und observieren. Doch eine Umfrage belegt: Gesetzeshüter sind gar nicht die größten Kaffeetrinker unter den Berufsgruppen. In diesen zehn Jobs sind Mitarbeiter süchtig nach Koffein. Mehr...

FR-Schwerpunkt

Was ist gerecht?

Was ist gerecht?

WIRKLICH? Wie ungleich darf eine Gesellschaft sein – und was ist eigentlich Gerechtigkeit? Der große Schwerpunkt der Frankfurter Rundschau.

FR-Online: Ergänzende Informationen und ausgewählte Texte zum Thema im Online-Dossier.

iPad-App: Alle großen Stücke des Schwerpunkts - interaktiv in preisgekrönter Aufbereitung. Informationen und Bestellformular.

Zeitung: Sämtliche Analyen und Interviews im Vorteils-Abonnement - keine Folge verpassen und dabei noch anderen helfen. Das ist gerecht. Bestellformular.

Wie würden Sie Deutschland gerechter machen? Gibt es eine Ungerechtigkeit, der die Frankfurter Rundschau unbedingt nachgehen sollte? Reden Sie mit - auf unserer interaktiven Webseite.

Premium-Fotostrecke

Das Frankfurter Bankenviertel - eine Welt für sich. Schlendern Sie mit uns um die Mittagszeit über Opernplatz, Platz der Republik und Taunusanlage.

Zur Premium-Fotostrecke
Brutto-Netto-Rechner
Optimieren Sie Ihr Gehalt:
Bruttogehalt (Euro mtl.)
St.-Kl.
Arbeitslosengeldrechner
Wie viel Arbeitslosengeld steht Ihnen zu?
Bruttogehalt (jährl. Euro) Steuerklasse
Kinder Ja Nein Berechnen