Hamburg. Airbus-Chef Thomas Enders hat am Montag den 6000. Airbus, eine A380, an die Fluglinie Emirates Airline ausgeliefert. Die Feier am Rande des werkeigenen Flugfeldes und im Beisein der Bundesligamannschaft des HSV wurde überschattet von Meldungen, denenzufolge der europäische Flugzeughersteller mehr als 1000 Arbeitsplätze abbauen will. Ein Unternehmenssprecher in Hamburg bestätigte die geplante Streichung einer großen Zahl von Stellen und sagte: "Wir wollen Überkapazitäten in diesem Jahr abbauen."
Für das "Aufholprogramm" des verzögert fertiggestellten Prestigeprojektes hatte Airbus jahrelang Zeitarbeiter bei Fremdfirmen angeheuert. Jetzt sei der Zeitpunkt erreicht, wo "die Produktion läuft, wie wir uns das vorstellen", so der Sprecher. Im Vergleich mit dem Bestseller A320 beschäftige der Konzern bei der A380 zu viele Arbeitnehmer. "Wir brauchen nun weniger Leute." Bereits 2010 solle der Abbau beginnen, er werde in den folgenden Jahren fortgesetzt.
Der Riesenvogel verkauft sich bislang nur schleppend. Mehr als zwei Jahre nach der ersten Auslieferung an einen Kunden läuft die Produktion noch immer nicht heiß: 2009 gingen nur zehn dieser doppelstöckigen Maschinen raus, zwei weniger als im Vorjahr. Und wie beim Militärtransporter A400M sind die Kosten höher als von Enders erhofft.
Allein im Airbus-Stammwerk Hamburg-Finkenwerder sind heute etwa 5000 Leiharbeiter von Fremdfirmen beschäftigt - von der Reinigungskraft bis zum Elektroingenieur. Wenngleich sie, wie die IG Metall bestätigt, zu vergleichsweise arbeitnehmerfreundlichen Konditionen arbeiten geht ein Riss durch die Belegschaft. Im Werk am Rande des Hamburger Hafens arbeiten auch 12000 Festangestellte.
Die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung durch den Vorstand sei kürzlich "schlecht" ausgefallen, heißt es bei Airbus. Der Krankenstand soll mit sieben Prozent doppelt so hoch sein wie in der Industrie üblich. Beschäftigte führen das auf intensivere Arbeitsanforderungen zurück, auf Managementpannen und Zukunftsängste. Verkauf und Ausgliederung von mehreren Werken sowie ein schleichender Personalabbau sorgten für Verunsicherung, kritisiert auch Konzernbetriebsratschef Rüdiger Lütjen. Zudem wurden Pläne aus Enders Umfeld bekannt, die gesamte Logistik des Konzerns auszugliedern.
Der erste Airbus wurde vor 37 Jahren in Toulouse ausgeliefert. Mittlerweile hat der Hersteller den Konkurrenten Boeing hinter sich gelassen. Die Auslieferung des 6000. Jets wertet Betriebsratsboss Lütjen zu aller erst als "eine tolle Leistung von Arbeitnehmern, Management und Politik".
Airbus lieferte 2009 insgesamt 498 Flugzeuge aus - 15 mehr als 2008. Der Großteil entfiel mit 402 Flugzeugen auf die A320-Familie und mit 86 Maschinen auf die A330/A340-Familie.
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