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Leitartikel: Der Stern leuchtet wieder

Für den Daimler-Konzern ist der Einstieg des Emirats Abu Dhabi ein Glücksfall. Der neue Aktionär schützt vor feindlichen Übernahmen und hilft bei der Entwicklung moderner Autos. Von Frank-Thomas Wenzel

Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Für Daimler-Chef Dieter Zetsche ist das wie ein Lotto-Gewinn. Der Staatsfonds des Emirats Abu Dhabi nimmt knapp zwei Milliarden Euro in die Hand und sichert sich gut neun Prozent an der Mercedes-Firma. Damit werden Zetsche gleich mehrere Probleme vom Hals geschafft. Daimler bekommt - neben Kuwait - einen zweiten sogenannten Ankeraktionär mit langfristigen Perspektiven. Darauf hat Zetsche lange gehofft. Der Konzern stand bislang nur mit dem 7,6-Prozent-Anteil der Kuwaiter im Rücken ziemlich allein im Wind. Das Engagement von Abu Dhabi schützt die Ikone der deutschen Industrie vor feindlichen Übernahmen und im schlimmsten Fall davor, von Heuschrecken auseinandergenommen zu werden. Und diese Gefahren waren in den vergangenen Monaten mit den fallenden Aktienkursen extrem gestiegen.

Gleichzeitig ist die von vielen erwartete Zweck-Ehe mit BMW vom Tisch. Gut so: Branchenexperten haben herausgefunden, dass neun von zehn Übernahmen und Allianzen in der Autobranche in der Vergangenheit schiefgegangen sind. Daimler hat da mit Chrysler schon schmerzhafte Erfahrungen gemacht.

Mit zwei Milliarden verschafft sich Daimler zudem Luft. Im Moment hängt das Schicksal eines Autobauers von der Liquidität ab. Und die ist bei Daimler rasant zusammengeschnurrt. Denn der Konzern muss auf Halde produzieren und gleichzeitig Rechnungen der Zulieferer begleichen. Hinzu kommt, dass es im Leasing-Geschäft bitter aussieht. Die Stuttgarter können zurückgegebene Fahrzeuge oft nur noch zu Spottpreisen losschlagen, die weit unter den kalkulierten Werten liegen.

Der finanzielle Engpass beschränkt die Handlungsfähigkeit des Konzerns in puncto Forschung und Entwicklung. Damit ist der größte Schwachpunkt des Unternehmens benannt. Selbst die großen Karossen von BMW verbrauchen merklich weniger Sprit als die Limousinen aus Stuttgart. Hier haben Zetsche und seine Mannen einiges verpennt. Der Nachholbedarf ist riesig.

Abu Dhabi hilft Daimler nun auf die Sprünge. Allerdings nicht ohne Eigennutz. Das Emirat will im Geschäft mitmischen. Also wollen die Araber doch nur Technologie klauen? Wer so denkt, denkt in die falsche Richtung. Sicher, das strategische Interesse zielt darauf, am Golf langfristig neue Industrien für die Ära nach dem Ölzeitalter aufzubauen. Doch genau das hat deutschen Firmen hohe Umsätze gebracht, insbesondere den Lieferanten von Maschinen. Es muss zudem generell im Interesse der hiesigen Wirtschaft liegen, dass auch auf der arabischen Halbinsel neue Märkte erschlossen werden. Davon profitiert die gesamte Exportwirtschaft.

Im speziellen Fall von Daimler soll es um die Entwicklung von Elektroautos und Verbundwerkstoffen gehen, die Fahrzeuge leichter machen. Hoffentlich ist das ernst gemeint, nicht nur symbolisch und als PR-Nummer gedacht, wie so vieles, was Daimler in Richtung neue Mobilität getan hat. Es wird höchste Zeit, dass der Konzern mit Halbherzigkeiten aufhört. Bestes Beispiel ist der Smart. Das Auto hat das Zeug zum Hoffnungsträger, denn "Downsizing" heißt der Megatrend in der Branche. Wer auch noch in zehn oder 15 Jahren mithalten will, muss sparsamere und billigere Autos mit neuen Antriebskonzepten bauen.

Doch da wurde bei Daimler viel laviert, erst ein Viertürer-Smart auf den Markt gebracht, um seine Produktion alsbald wieder einzustellen. Die Daimler-Manager haben jetzt die Chance, dieses Konzept zu revitalisieren. Und es schon gleich auf Elektromobilität auszurichten. Die wird in spätestens zehn Jahren einen maßgeblichen Marktanteil haben.

Der Effekt, den so ein innovatives Konzept für die gesamte Branche in einem günstigen Fall hat, lässt sich nicht hoch genug einschätzen. Die aktuelle Krise zeigt uns gerade, wie stark Firmen miteinander vernetzt sind. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Zulieferer, die Hightech produzieren. Da drohen Dominoeffekte: Fällt etwa ein wichtiger Produzent von Antiblockiersystemen aus, leiden alle darunter. Das kann aber auch in die andere Richtung gehen, Innovationen schnell verbreiten und zum Segen für diese Schlüsselbranche werden. Peinlich ist nur, dass im Fall von Daimler ausgerechnet Öl-Scheichs die Impulsgeber für den Standort Deutschland waren und indirekt auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen beigetragen haben.

Autor:  FRANK-THOMAS WENZEL
Datum:  24 | 3 | 2009
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