Frankfurt. Der Chef von SAP ist weniger als ein Jahr nach seinem Aufstieg an die Unternehmensspitze mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Der Aufsichtsrat habe sich mit Leo Apotheker einvernehmlich darauf verständigt, seinen Vertrag als Vorstandsmitglied nicht zu verlängern, teilte der Walldorfer Softwarekonzern am Sonntagabend überraschend mit. Apotheker habe sein Vorstandsmandat mit sofortiger Wirkung niedergelegt.
An seiner Stelle werden nun die beiden Vorstandsmitglieder Bill McDermott, verantwortlich für Vertrieb, und Jim Hagemann Snabe, verantwortlich für Produktentwicklung, den Konzern führen, wie SAP nun mitteilte. Beide Manager wurden zu gleichberechtigten Vorstandssprechern ernannt.
Hasso Plattner, Mitgründer der SAP und Aufsichtsratsvorsitzender, soll ihnen zur Seite stehen und sie "in Fragen der Technologie und der Produktentwicklung beraten". Die strategische Ausrichtung des Unternehmens sowie der Fokus auf profitables Wachstum soll aber beibehalten und weiter vorangetrieben sowie die führende Position im Markt weiter ausgebaut werden, wie Plattner sagte.
Der 1953 geborene Apotheker war 1988 zu SAP gekommen und 2002 in den Vorstand aufgerückt. Eine Zeit lang hatte er gemeinsam mit Henning Kagermann den weltgrößten Hersteller von Unternehmenssoftware geführt. Vergangenen Mai wurde Apotheker Vorstandssprecher.
Auf der Unternehmenswebsite wird er beschrieben als jemand mit dem Ruf "eines Managers mit ausgeprägtem Durchsetzungsvermögen, der kein Blatt vor den Mund nimmt und sich selbst und seinen Mitarbeitern hohe Ziele setzt." Sein aktueller Vertrag lief bis 2010.
4000 Arbeitsplätze gestrichen
Erst vor wenigen Tagen hatte Apotheker die Zahlen für das vergangene Geschäftsjahr präsentiert. Auch der erfolgsverwöhnte Dax-Konzern hatte 2009 Federn lassen müssen: Nach mehreren schwachen Umsatzquartalen sank der Nettogewinn um vier Prozent auf 1,789 Milliarden Euro, die Lizenz- und Wartungsumsätze um fünf Prozent auf 8,2 Milliarden Euro.
Rund 4000 Arbeitsplätze wurden vergangenes Jahr gestrichen. Doch Apotheker kündigte die Rückkehr auf die Erfolgspur an. "2010 wird ein starkes Jahr für SAP", sagte er. "Unser Wachstum ist wieder da".
Die Kunden investierten wieder in neue Software, SAP werde daher 2010 mit Lizenzen und Wartungsverträgen vier bis acht Prozent mehr erlösen. (rtr)
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