Haare schneiden, waschen, föhnen ist Friseuren häufig nur ein paar Cent wert. Der Kölner Zoll hat bei Razzien in 150 Geschäften Angestellte angetroffen, die für 1,50 Euro in der Stunde arbeiten. "Wir haben diese Branche schon länger auf dem Kieker", sagt der Sprecher des Zollamtes, Gerd Plinz. Nun wird in dutzenden Fällen wegen Lohndumpings ermittelt. Die meisten Beschäftigten wissen natürlich, dass sie viel zu wenig Lohn erhalten. "Sie sind aber so abhängig von ihrem Arbeitgeber, dass sie schweigen", so Plinz.
Die Friseurgilde ist berüchtigt für ihre schlechten Löhne. "Viele arbeiten in den Salons ohne eine entsprechende Ausbildung, das fördert oft den Schwarzmarkt und Dumpinglöhne", so Jan Jurczyk, Sprecher der Gewerkschaft Verdi. Auch Berufe mit kurzen und häufig wechselnden Verträgen wie etwa in der Gastronomie seien anfällig für Sklavenlohn.
Der Zoll ist laut dem erst in diesem Frühjahr neu verfassten "Arbeitnehmerentsendegesetz" für die Überwachung der Mindestlöhne und der Arbeitsbedingungen zuständig. Dabei treffen die Kontrolleure zunehmend auf Menschen, die für Hungerlöhne arbeiten. Laut einer Statistik des Institutes Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg-Essen arbeiten in Deutschland inzwischen 6,5 Millionen Menschen unterhalb der Niedriglohnschwelle von 9,60 Euro in Westdeutschland und 7,10 Euro in Ostdeutschland. Die große Mehrheit der schlecht bezahlten Angestellten ist dabei weiblich.
Lohndumper werden offenbar nur wenig geächtet. Und sie sind erfinderisch. Der Zoll traf auf Hotels, die ihren Reinigungskräften 1,50 Euro pro Zimmer zahlten - wohl wissend, dass sie nur zwei bis drei Räume pro Stunde schaffen können.
Häufig ködern Arbeitgeber ihre Mitarbeiter auch mit dem Trinkgeld, das den Lohn angeblich aufstocken soll. Auch hierfür ist die Friseurbranche typisch. Hinzu kommt neue Konkurrenz: In fast jeder Stadt schießen inzwischen Läden aus dem Boden, die für rund zehn Euro einen Haarschnitt anbieten. "Wer so wenig verlangt, kann kaum guten Lohn zahlen", sagt Andreas Popp, Präsident des deutschen Zentralverbandes des Friseurhandwerks. Trotzdem glaubt Popp daran, dass die meisten seiner Kollegen "anständigen" Lohn zahlen.
Tatsächlich verdienen Coiffeure je nach Wohnort unterschiedlich. Einen einheitlichen Lohn gibt es in Deutschland nicht. Nachdem der Mindestlohn in diesem Frühjahr von Bauarbeitern, Gebäudereinigern und Postboten auch auf Altenpfleger, Wachleute, Bergbauer und Wäscherinnen ausgeweitet wurde, fehlt diese Vereinbarung bislang bundesweit für die Friseurbranche. In NRW gilt hingegen laut Verdi seit diesem Frühjahr ein Mindestlohn von 7,60 Euro in der Stunde.
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