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26. Mai 2011

Lohndumping in Deutschland: Arm wegen Arbeit

 Von Mario Müller
Günter Wallraff, Frank Bsirske, Franz-Josef Möllenberg (Hrsg.) Leben ohne Mindestlohn. VSA-Verlag, 12,80 Euro.

Weniger als zwei Euro pro Stunde für das Regale-Einräumen im Supermarkt: Günter Wallraff prangert als Herausgeber mit dem Buch "Leben ohne Mindestlohn" die Lohndrückerei im reichen Deutschland an.

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"Wenn du einmal im Call-Center angefangen hast, ist dein Lebenslauf versaut. Dann kommst du da nicht mehr raus", berichtet eine 36-jährige Berlinerin. Ihr Stundenlohn: acht Euro brutto. Die Pflegekraft, eine Mutter von drei Kindern, muss sich mit 7,67 Euro begnügen, die Kassiererin einer Fast-Food-Kette mit 5,80 Euro, der Koch in Dresden wird mit 5,50 Euro abgespeist, fürs Auffüllen der Regale im Düsseldorfer Supermarkt gibt es 1,86 Euro die Stunde.

Einzelfälle? Von wegen. Nach Berechnung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) gab es in der reichen Bundesrepublik zuletzt mehr als 6,5 Millionen sogenannte Niedriglöhner. Das heißt: Gut jeder fünfte Beschäftigte kam auf höchstens zwei Drittel des mittleren Stundenlohns, erhielt also weniger als 9,50 Euro in West- und 6,87 Euro in Ostdeutschland. Darunter waren 1,4 Millionen "Aufstocker", die für ihre Arbeit so mies bezahlt werden, dass sie auf staatliche Hilfe angewiesen sind.

Acht Jahre ohne Urlaub

Stellvertretend für diese Millionen erzählen neun Niedriglöhner, Leiharbeiter und Aufstocker, unter welchen Umständen sie arbeiten müssen und wie sie damit (nicht) zurechtkommen. Zu finden sind ihre Berichte in dem Buch "Leben ohne Mindestlohn – Arm wegen Arbeit". Die Pflegekraft war "seit acht Jahren nicht mehr im Urlaub", für den Koch ist es "völlig unverständlich", warum er so wenig verdient. Ergänzt werden die Geschichten durch kurze Auszüge jener Angaben, die die Gewerkschaften Verdi und NGG im Rahmen ihrer "Initiative Mindestlohn" auf ihrer Internetseite sammeln.

Das Buch "skandalisiert die Niedertracht", schreibt Mitherausgeber Günter Wallraff im Vorwort. Gleichzeitig feiere es aber auch die Hoffnung. Denn neben den zornig machenden Selbstzeugnissen stehen Berichte über erfolgreiche Aktionen gegen miserable Arbeitsbedingungen und über Unternehmen, die sich um faire Löhne bemühen. Abgerundet wird der Band durch Analysen sowie Argumente, die die Mitherausgeber Frank Bsirske und Franz-Josef Möllenberg als Chefs von Verdi und NGG für die Einführung eines allgemeinen Mindestlohns ins Feld führen. Wallraf übrigens findet die geforderten 8,50 Euro "schon fast peinlich" niedrig.

Immerhin: Selbst in der CDU scheint der Widerstand gegen einen Mindestlohn zu bröckeln. Wer immer noch nicht kapiert hat, dass es so nicht weitergehen kann, lese dieses Buch.

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